Wenn man vom Teufel spricht, kommt er um die Ecke. Dieser Spruch hat auf alle Fälle etwas sehr wahres in sich und an sich und auch um sich herum und ist sicherlich auch in vielen Fällen allgemeingültig. So ist es nicht nur mit dem Teufel, nein, so ist es mit eigentlich allem. Und die Dinge kommen schneller um die Ecke, als so manch einem lieb ist. Auf einmal steht da ein großes fettes
AHA vor Dir. Da ist man den einen Tag noch süße, mehr oder weniger unschuldige 18 Jahre jung, allerplötzlichst - so ganz über Nacht - ist man in der unwichtigen, undefinierbaren, unnötigen Altersklasse - der 19-Jährigen angekommen. Ja so schaut das aus hier bei mir. Seit nunmehr fast zwei Wochen bin ich 19 Jahre alt und es ist wie bei jedem neuen Lebensjahr, ich bekomme es gar nicht wirklich mit. Und überhaupt ist das neunzehtne Lebensjahr doch völlig sinnfrei, natürlich nicht zum leben sondern wenn man logisch darüber nachdenkt. Mit 18 wird man 'erwachsen' und ist auch laut Gesetztgeber ein Erwachsener, mit 20 hat man wenigstens ne 2 davor und man ist kein 'Teenie' mehr; mit 19 ist man ein Jahr älter als man es mit 18 war und ein Jahr jünger als man es mit 20 wäre. Die Weisheit und die Reife und der erhoffte AHA-Effekt sind bis dato noch ausgeblieben. Naja, dachte ich, als ich die letzen Tage in meinem Kopf revue passieren ließ. Oberflächlich betrachtet gibt es da keinen großen, bedeutenswerten AHA-Effekt, aber kratz ich ein bisschen hier an meiner Fassade und buddel ich ein weniger dort im Dreck, dann kommt auf Teufel komm raus der ein oder andere nicht uninteressante Effekt zum Vorschein. Und genau das bestätigt dann wohl auch wieder, dass wenn man nur lange genug vom Teufel spricht, oder 'wenigstens' nach ihm sucht, wird er mit großer Wahrscheinlichkeit um irgendeine Ecke angetanzt kommen. Das Leben ist kein Ponyhof! Wir alle kennen diesen Spruch und bei Gott (oder auch Teufel mag es wissen), diese Redensart ist wirklich und wahrhaftig der Wahrheit entsprungen. Die "Selbstständigkeit" habe ich mir anders vorgestellt. Mit naiven 18 Jahren zieht man blind und ohne die Welt zu kennen in eine fremde Großstadt; man lebt in einem Keller und meint, seinen Weg schon 'irgendwann' zu finden; man findet nicht den Weg, aber man findet heraus, dass das Leben macht was es nun einmal will und man lernt, dass man eben doch mehr als einem lieb sein mag herausfindet und findet. Ponys habe ich in meinem neuen Leben hier in der deutschen Haupstadt noch nicht entdeckt - daraus schließe ich schon so oder so, dass zumindest MEIN leben sicherlich kein Ponyhof ist. Ich i (be)merke, dass ich mit meinen 19 'neugewonnenen' Jahren begreife, dass ich mit 18 noch sehr naiv und unwissend war! Nein, nicht dass mir mit Neunzehn (ich wollt es mal ausgeschrieben haben) die Klar- und Weisheit kommt, aber mir wird wegen diesem Geburtstag klar, dass ich noch mehr als genug, genug, genug zu lernen habe... Also scheint die
19 doch irgendwie Sinn zu machen?
Wegen der Konfirmation meines kleinen, geliebten Bruders, musste ich nach Stuttgart reisen. Diese fünf Tage, die ich in de Schwabenmetropole verbracht habe, habe ich bestmöglichst (?) genutzt, um meine Herzensmenschen wiederzusehen und mit ihnen selbstverstehend Zeit zu verbringen und um natürlich meinen Bruder zu feiern. Ich will die kleine Chance hier nutzen um zu sagen, dass ich meinen Bruder sehr lieb habe und ich sehr stolz auf ihn bin! Seine Konfirmation war sehr schön (schöner als meine eigene). Aber vor allem habe ich einmal mehr gemerkt, dass ich meine Freunde und meine Familie hier in Berlin ungemein vermisse. Das alles hat aber trotzdem seine Richtigkeit und gehört zum Prozedere des Erwachsenwerdens wohlmöglich dazu. Ich akzeptiere das voll und ganz - mir bleibt nichts anderes übrig. Wie auch immer, ich habe die Zeit in Stuttgart sehr genossen und freue mich schon auf den nächsten Besuch. Bis dahin übe ich mich im Verschieben von wichtigen Dingen, im Augen-zu-machen vor wichtigen Dingen und im Schöner-Reden von wichtigen Dingen, die aber nicht so schön laufen. Ich habe also genug zu tun.
Stuttgart ist wie eine kleine Insel für mich geworden, eine Insel, auf der die Berliner Probleme gar nicht Wirklichkeit sind, auf der ich es mir [relativ] gut gehen lassen kann und Berlin vergessen kann. In de Realität kann und sollte ich Berlin natürlich nicht vergessen. Immerhin baue ich mir dort meine neue und ganz reale Identität auf. Auf dem
Heimweg nach Berlin hatte ich genügen Zeit (1,5h Stau) über mein Darsein nachzudenken. Wohlgemerkt war der tag der Rückfahrt mein 19. Geburtstag. Ich hätte ihn mir einerseits schöner vorgestellt und andererseits war er wie er nun einmal war - ein Tag wie jeder andere! In einem Auto mit 2 fremden Männern, und meinem Prosecco aus der Dose und dem Piccolo-Sektflaschen. Es macht doch schon ziemlich Spaß, mit sich selbst anzustoßen ;)
Weiter im Verlauf: In Berlin angekommen wurde ich wirklich sehr süß wieder Willkommen geheißen und wir (Buffi, Gregor, Manu und meine Wenigkeit) haben den Abend 'gebührend' gemeinsam ausklingen lassen; denn am Tag daruaf sollte schon die Hamburg-Reise folgen...
von & aus Hamburg
- Die Reeperbahn ist zum größten Teil assozial. Die Herbertstraße ist langweilig und das Gentleman-Konzert war (laut meiner höchstpersönlichen Meinung) nicht der Burner. Hauptsache aber, das Hostel in welchem wir hausten war 'günschtig' und das Wetter war gut. Sicherlich ist mein kurzer Eindruck von der Hansestadt nicht wirklich repsräsentativ, aber ich empfand die Ecken, die ich von Hambrug mitbekommen habe, als schlichtweg dreckig, schmutzig, versext und assi. Zum Glück habe ich mich für die Hauptstadt entschieden und ich weiß, dass der Bahnhof Zoo nichts im Gegensatz zur Reeperbahn ist! So viele Penner habe ich konzentriert noch nie auf einem Haufen bei hellichtem Tage gesehen, wie in Hamburg. Alleine schon aus diesem Grund und weil ich mich in Hamburg wie ein Tourist auf Abifahrt gefühlt habe, weiß ich, dass ich
kein Hamburger bin. Vielleicht manchmal ein Diätburger oder ein Cheeseburger, wenn ich den ganzen Tag in neuen Schuhenm rumlatsche, aber kein Hamburger. Das stört mich auch weiter nicht, denn es hat schon seinen Grund, dass ich aus dem Stuttgarter Talkessel in das große Berlin gezogen bin.
Darf oder kann ich also behaupten, dass mir in Hamburg der AHA-Effekt wie aus dem heuteren Himmel kam? NEIN! Das kann ich nicht. Also eigentlich nicht. Viel Zeit nach dem hamburger AHA zu suchen blieb uns oder mir sowieso nicht. Vier liter Vordka einzunehmen und diverse andere alkoholische Getränke - das braucht natürlich seine Zeit ;) Der AHA-Effekt stellt sich also als schleichender Effekt heraus? Tag für Tag erleben wir einen neuen AHA-Effekt, summiert ergeben die ganzen kleinen und schon teilweise mittelgroßen "AHA-Effekte" irgendwann, vielleicht erst nach Jahren (?) den einen, bedeutsamen AHA-Effekt. Was ich versuchse zu sagen, ist gant einfach. Wir warten auf die große Erleuchtung, auf den Tag, an dem uns alles klar wird, auf die Stunde der Wahrheit. Dabei erleben wir diese Tage, diese Stunden Tag für Tag. An manchen Tagen mehr und an manchen Tagen weniger, und dann gibt bes noch die Tage, an dem das fette große
AHA vor einem steht und man gar nicht drauf klarkommt. Meiner Meinung nach gibt es nicht diesen einen einzigen Tag; diese eine wahrhaftige Stunde - okay, sicher wird uns irgendwann in ein paar Minuten etwas großes offenbart, wer weiß, ich weiß es nich - aber letzendlich und eigentlich erleben wir jeden Tag einen AHA-Effekt. Mal ist er größer und mal eben weniger groß aber wenn wir am Ende eines Tages im Bett liegen und das Geschehene gedanklich nochmal nachspielen wird uns klar, dass wir irgeneinen Nutzen daraus ziehen können (und müssen?). Das oft gewollte und erwünschte "AHA" passiert also jeden Tag! Dabei gibt es zwei Seiten des
'AHAs'. Die eine Seite, die einen lehrreichen Effekt erzielen soll und die andere Seite, die wir jeder für uns selbst definieren sollten. Im Ende sind es wir, die das AHA bestimmen, die aus dem AHA eben ein "
AJA" machen [können] oder nicht. Uns bleibt eigentlich nichts anderes übrig, als es immer wieder aufs Neue zu versuchen.
- diese Aufnahme entstand in Hamburg am 28.4.2010: Zimmertüre -