Mittwoch, August 18, 2010

der Name

In den letzen zwei einhalb Monaten hat sich so manches verändert. Nicht nur in Sachen Wohnsituation (der Umzug) hat sich etwas getan, ich habe seit drei Wochen auch eine neue Frisur. Das ist auch eine Art Tapetenwechsel. Meine Kopftapete musste mal gestutzt werden. Da es in der Wohnung renovierungstechnisch nichts zu tun gibt, muss ich mich eben renovieren. Trifft sich ganz gut, ich kenne nämlich auch nicht wirklich eine größere Baustelle als mich selbst.
Wir sind ja alle irgendwie Baustellen. Jeden Tag müssen wir an uns schrauben und basteln und werkeln und überhaupt - an uns arbeiten. Manchmal fällt das verdammt schwer. Ich weiß nicht, ob Du das Gefühl kennst, wenn man einfach nicht mit sich zufrieden ist. Egal was man anhat, egal wie man sich im Spiegel betrachtet, sich dreht und wendet. Ob man lacht oder weint, man weiß, dass man sich nicht wohler fühlen wird, als unwohl. Nichts stimmt. Da ist das Wort 'Baustelle' im Bezug auf sich selbst noch untertrieben. Ich bin mir sicher, dass Du dieses Gefühl kennst.

Es gibt letzendlich Dinge, Sachverhalte oder Gefühle, denen wir Namen geben wollen - ein Versuch, etwas uns undefinierbares definierbarer zu machen. Ein Name gibt Formlosigkeiten eine Form, lässt 'irgendwie' Charakter zu.
Oft ist es so, dass wir uns in Gefühlslagen befinden, die wir nicht rihctig definieren können. Sei es das fehlende Bewusstsein für die momentane Situation oder auch der fehlende Wille, die Lage zu hinterfragen. Denken ist anstrengend. Ich muss schon fast sagen, dass ich 'leider' ein Mensch bin, der viel zu oft, viel zu viel nachdenkt. Denken tut weh, denken hindert am Nichtdenken. Denken macht dumm und blind und überhaupt, wieso zu viel denken, wenn es reicht, nujr das nötigste zu denken? Ganz einfach; mir reicht es nicht, dass nur die nötigsten Dinge Namen haben, alles soll einen Namen tragen - alles 'sollte' einen Namen tragen. Um bei dem ersten Tag anzufangen. Wir kommen zur Welt, unser Leben beginnt und uns wird ein Name gegeben. Wir sind 'Jemand', uns wird durch den Namen eine Identität geliehen, aus der wir das bestmöglichste machen sollten [vielleicht sogar müssen?]. Um bei dem letzten Tag ein Ende zu finden... Wenn wir uns von dieser Welt und von diesem [unserem] Leben verabschieden, wollen wir alle, dass unser Name in der Erinnerung unser Hinterlbliebenen bleibt. Unser Name wird zu der Definition, zu unserem Lebenswerk, zu unserem Denkmal. Auf unserem Grabstein stehen nicht unsere guten (oder schlechten) Taten, man liest 'nur' unseren Namen. [...] Was ich versuche zu erklären ist, dass wir wissen wollen, woran wir sind, wer wir sind und wie wir am besten sein können, am besten besser sein können. In unserem Leben gibt es genügend Dinge, die nie einen Namen haben werden und es gibt Dinge, deren Namen wir von Beginn an kennen, aber für uns unaussprechbar sind und bleiben werden. Vielleicht schaffe ich es nicht einmal es in Worte zu fassen, es hier nieder zu tippen. Wie elementar ein Name sein kann und gleichzeitig ist ein Name nicht ein Name sondern oft auch ein Zustand, eine Hoffnung oder eine unbeantwortete Frage. Ganz gleich ob es am ersten, am hundertsten oder am letzen Tag ist. Dieser Zeitraum; Name: Lebend; bleibt auf unbestimmte Zeit unbenannt, weil es uns zu schwer fällt, das Leben in einem Wort, in einem Namen zu bündeln. Ich versuche mein Bestes.

Aber am Ende eines jeden Tages geht es eben doch darum, dem Kind einen Namen zu geben. Ob ich es will oder nicht, ich kann nicht damit aufhören, mich den tausend von Fragen zu stellen, die sich in meinem Kopf eingenistet haben und die mir auf der Nase herumtanzen. Ich bin auf Namenssuche. Bis für immer, vielleicht... Es ist die Einsamkeit, die mich in schwachen Momenten auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Ich habe hiermit meinem Kind versucht, einen Namen zu geben...



Mittwoch, August 04, 2010

der Umzug

Ich lebe noch. Man kann selbst im Jahr 2010 ohne Internet leben. Ich bin das lebende Beispiel.
Es ist in den letzen zwei einhalb Monaten so einiges passiert, was mich von der einen Bahn auf eine komplett andere geworfen hat. Leben heißt in einem ungewissen Dauerzustand zu leben. Das Leben wirft einen aus der Bahn - das Leben ist verrückt und unverständlich. Und der Satz, den ich schon viel zu oft hören musste - "Wenn du am wenigsten damit rechnest, passiert es plötzlich" - bewahrheitet sich... plötzlich. Es ist passiert. In vielerlei Hinsicht. Manche Dinge sind eigentlich relativ schwer in Worte zu fassen, um sie zu erklären und manche Dinge wiederrum will ich nicht erklären - weil ich sie mir nicht erklären kann. Es ist halt passiert und es ist passiert. Wenn es passiert ist, kann ich es nicht mehr ändern.

Acht Monate lang habe ich versucht in der deutschen Hauptstadt einen Ort zu finden, den ich 'zu Hause' nennen kann. Nach gefühlten 1000 Wohnungsbesichtigungnen (mit WG-Partnern oder im Alleingang), nach Monaten in einem Keller, nach einer weiteren mehrwöchigen Übergangslösung, hatte ich die Chance auf eine Einzimmerwohnung in Berlin. Ich habe die Chance nicht genutzt. Jetzt wohne ich in meiner ersten eigenen Wohnung. Fünfundvierzig Quadratmeter gehören mir, fünfundvierzig Quadratmeter Verantwortung mit hohen Wänden und Stuck an der Decke - in Berlin. Jetzt geht das Abenteuer Leben eigentlich erst richtig los. Ein neues Kapitel mit dem wunderbaren Titel "Meine erste eigene Wohnung". Es ist diese typische Berliner Wohnung, mit Berlin drum und dran und drin und überhaupt. Das Gefühl einen Mietvertrag zu unterzeichnen ist unbeschreiblich. Ein unbeschreiblich, sich toll anfühlendes Glücks- und Erleichterungsgefühl inklusive Schauer am Rücken. Als ich das Büro der Hausverwaltung am 26. Juni 2010 mit einer Wohnung in Din A4-Format verließ, wurde mir klar, dass ich einen gewaltigen Schritt weiter bin; und einen Schritt weg von Kreuzberg. Sprich: "Ich komm' aus Moabit du Muschi!" Damit kann ich gut leben. Ich lebe damit und ich lebe gut damit. In dieser Hinsicht hat sich das Plötzlich als total positives Plötzlich entpuppt. Aus der anvisierten Einzimmerwohnung wurde eine wunderbare Zweizimmerwohnung. Weiter im Verlauf; ich brachte also Koffer für Koffer, Tasche für Tasche, Tag für Tag in die neue Bleibe. Zum Glück ist der zweite Stock der zweite Stock und nicht der vierte Stock. Seit Anfang Juli 2010 wohne ich auch in der Wohnung. Bis zu dem jetztigen Zeitpunkt besitze ich eine Kommode, einen Tisch mit vier Stühlen, eine bequeme Matratze und einen Nachttisch. Mittlerweile hängen auch Lampen und ich habe noch zwei Spiegel. Es wird, es wird. Dank den tollen Schweden und ihren Möbeln bin ich sehr zuversichtlich, bald eine komplette Einrichtung zu haben. Ja, ich bin bekennender IKEA-Fan. Wieso auch nicht? Der 1€-Hot-Dog rundet das Fan-sein noch ab!

Aber trotzdem ist es noch ziemlich leer, ziemlich roh, ziemlich neu. Neu für mich. Von nun an bin ich ja wirklich 'alleine' und fast schon dazu gezwungen selbstständig zu sein und Verantwortung zu übernehmen. Wie ein Erwachsener. Man wollte nach Berlin, man wollte arbeiten, man wollte Geld verdienen und man wollte eine eigene Wohnung. All das habe ich doch. Ich sollte also glücklich sein und am besten noch zufrieden.
Wir lassen die Zeit vergehen und obwohl viele Dinge wirklich gut sind (wirklich gut!) schaffen wir es nicht, uns in der neu gewonnenen Zufriedenheit, beziehungsweise 'Abgerundetheit' uns fallen zu lassen. Wieso? Wieso reicht mir das nicht? Was fehlt mir [außer vielleicht Möbel]? Fehlt uns immer etwas, ist es unschaffbar rundum zufrieden zu sein? Oder kann es sein, dass dieser Zustand zwischen den Stühlen der Zufriedenheit und der Unzufriedenheit ein Phänomen der Großsstadtschnelllebigkeit ist?
Der berliner Geräuschepegel ist an manchen Tagen wirklich sehr hoch angestezt, doch gegen Abend wird auch er immer gediegener. Geräusche sind aber immer da, es ist auch so gut wie beinahe wirklich immer etwas los und man ist auch nicht wirklich irgendwann einmal tatsächlich ungestört, Berlin kennt keinen ruhigen Schlaf. Nur einen manchmal unruhigen und manchmal einen geräuschgeprägten Schlaf. Wenn ich auf meiner Matratze liege und an die weiße Decke starre und das Lichtspiel anschaue und die seltenen Schatten an der Wand beim Tanzen beobachte, weiß ich, dass hier nie alles schläft und schon gar nicht alles still ist. Ich höre es ja - die Straße ist hörbar. Aber ich schaffe es, diese Stadtgeräusche auszublenden. Trotzdem ist es laut. Was ich höre? Meine Gedanken, wie sie mit mir reden, meine Ängste vor der Zukunft und meine Unzufriedenheit - meine wohlmöglich teilweise unbegründete Unzufriedenheit, wie sie mich auslacht und schadenfroh ist. Wie sie sich freut, es geschafft zu haben, mich an manchen Abenden um den Verstand zu bringen, mich unruhig schlafen zu lassen und wie sie es immer wieder aufs neue hinbekommt, lauter als Berlin zu sein...

Es ist in den letzen zwei einhalb Monaten so einiges passiert. Es ist passiert und es ist eben auch nicht passiert. Ob es passiert ist oder nicht, ich lebe noch! Ich lebe und wohne und arbeite und werde weniger essen und mehr Sport treiben und ab Mitte August meinen eigenen Internet- und Festnetztanschluss haben. Ich lebe und richte eine Wohnung ein und stell' sie um und stelle sie nochmals um und warte, bis es passiert und es vielleicht wieder passiert und dabei werde ich nicht aufhören zu leben. Wir alle sollten sogar noch bewusster leben und hinhören. Selbst die Unzufriedenheit hat hin und wieder ein wahres Wort zu erzählen...





home is where my thoughts can dance

Montag, Mai 31, 2010

der Traumfänger

Berlin ist wie ein Exil für Träumer.Vielleicht sogar das Exil für (uns) Träumer. In keiner anderen deutschen Stadt kann man seinen Träumen besser nachjagen, als in Berlin. Manchmal habe ich das Gefühl, dass hier eine gewisse Narrenfreiheit herrscht. Wie sollte es auch anders sein? Berlin ist roh, Berlin ist jeden tag neu, hier ist alles immer anders. Immer ein deutscher Sonderfall. Ostdeutschland, Westdeutschland - Berlin ist Deutschland. So wie Berlins ausgezeichnetes öffentliches Verkehrsnetzt spannt auch das unsichtbare Traumfängernetz seine Fäde durch die Hauptstadt. Wenn ich durch die Straßen laufe sehe ich die verschiedensten Menschen aneinander vorbeigehen. Meine manchmal müden Gedanken, die trotz einem gewissen Erschöpfungsgrades einfach nicht aufhören wollen, sich zu vermehren und sich auszutoben, fragen sich oft, ob all die anderen Träumer, die mir an einem Tag wohl begegnen mögen so fest an ihren Träumen festhalten, wie es bei mir manchmal den Anschein macht. Laufe ich dabei blind durch die Straßen Berlins, fehlt mir das Weitwinkelobjekt, welches sich "Realität" nennt, oder ist die größte Stadt Deutschlands wirklich Ort der größten Träume und deren Halter? Eine heimgesuchte Stadt, eine besessene Stadt, eine unfertige Stadt, die sich trotzdem nichts gefallen lässt. Ein Ort, der mir an manchen Tagen zu viel wird. So froh ich bin, hier leben zu können, so fertig macht es mich, dass ich hier jetzt leben muss. Ich bin hier um zu bleiben, aber ob ich dafür bereit bin weiß ich nicht. Wie viele Träume sich wohl schon in dem Traumfänger Beriln verfangen haben?
In manchen klaren Nächten wollen hier nicht einmal die Sterne scheinen, Reime reimen sich nicht mehr und alles Richtige fühlt sich zu manch einer einsamen Stunde so grundliegend falsch an. Ich finde heraus, dass es mir Angst macht, mich auf mich selbst verlassen zu müssen. Ich will hier nicht stoppen, ich will meinen Weg nicht verlieren, ich will aufholen - aber ich fühl mich wie eine Fliege gefangen in einem Spinnennetz. Wahrscheinlich wird dieser Zustand solange anhalten, bis ich herausfinde, wie ich auf dem Netzt ballancieren kann, bis ich kein Fremdkörper mehr bin, sondern ein Teil von etwas Größeren. Es sind wiederrum diese Momente, in denen man sich mit dem Atmen schwer tut und die Sterne dann doch wieder beginnen, an Helligkeit zu gewinnen. Es ist die Angst, dieses Leuchten der Sterne nicht mehr zu sehen, es ist die Angst, vor lauter Angst, die Träume im Traumfängernetz zu verlieren...
Und es ist wohl auch die Ungewissheit, die uns schließlich hilft, an uns zu wachsen. Die meisten Dinge werden heißer gekocht, als gegessen - das letze Wort ist noch nicht gesprochen, das ist mir auch klar. Wieso rennen wir also trotzdem weg? Die Träumer in Berlin leben jeden Tag aufs Neue in diesem Gefängnis, in diesem Exil. Daran wachsen sie und daran scheitern sie mit jeder dunklen Nacht und jedem atemberaubenden Moment. Wir sind hier, um zu bleiben. Vielleicht bis wir gefunden haben, nach was wir suchen. Mag es ein Ort sein, an dem man sich zu Hause fühlen kann, mag es ein Mensch sein, bei dem man sich fallen lassen kann, mag es Inspiration sein, die einen helfen soll, sich selbst zu finden. Mag es schlicht ein Lächeln eines Fremden Träumers auf der Straße sein, dass einem beweist, wie die Hoffnung in uns allen lebt. Jeder sucht nach etwas in dieser Stadt. Jeder VERsucht, seinen Träumen einen Schritt näher zu kommen, um sie eines Tages wahrwerden zu lassen.

Nach der einen, sehr anstrengenden Woche in Stuttgart, in der ich damit beschtigt war, junge (mehr oder weniger motivierte) Menschen zu schulen und sie über ehrenamtliche Kinder- und Jugendarbeit in einem evangelischen Ferienwaldheim zu informieren, wurde mir auf der sechs-einhalb-stündigen Fahrt zurück in die Hauptstadt klar, dass ich mich von manchen Träumen verabschieden sollte.Wieso Zeit in einen Traum investieren, wenn es von Tag zu Tag mehr deutlich wird, dass er sich vielleicht nie so erfüllen wird, wie ich es mir in den letzten Wochen erhofft hatte? Ich wollte anfangs gar nicht mehr nach Berlin zurückfahren. Ich hatte kaum Zeit für meine Freunde, kaum Zeit für mich. Berlin wurde mehr und mehr zu einem verwunschenen Ort für mich. Ein schwarzes Loch, in dem weiß Gott was auf mich wartet! Der Abschied war kurz, aber gewiss nicht schmerzlos. Ich wusste genau, dass in Berlin das auf mich wartet, dem ich sowieso nicht entkommen kann... Wieso um einen Traum kämpfen, wieso an ihn festhalten? Wieso Energie für etwas Ungewisses vergeuden? Warum sich überhaupt diesen Fragen widmen? Warum kann der Regen des Realismus nicht einfach über uns herfallen und aus Träumern Realisten machen? Wäre die Welt dann ein weniger verrückter Ort? Würden wir die Dinge klarer sehen, uns nicht immer wieder auf neue Träume einlassen um am Ende dann doch nur aufgeweckt zu werden? Wenn dieser besagte Regen unsere Gedanken klarwaschen könnte - würde er den Platz, der sonst für die Träume da ist überfluten, sodass unsere Träume sang- und klanglos untergehen? Wenn ja, gehen wir wie ein Kapitän auf seinem eigenen Schiff mit unter, oder versuchen wir zu schwimmen, weil wir ohne unsere Träume doch nicht können...

Vermutlich liebe ich diesen Ort, aber er ist heimgesucht und manchmal will ich gar nicht mehr träumen - ich will nie wieder träumen können! Aus Angst, dass das Netz des Traumfängers undurchlässig ist. Ja, ich glaube sogar, dass es Zeiten gibt, in denen wir alle erschöpft vom ewigen träumen sind und erdrückt  von der Hoffnung, dass Träume wahr werden können. Und trotzdem wissen wir es nicht; Traumfänger: Freund oder Feind?



Traum
„= All das, woraus man erwachen kann.”
Paul Valéry (1871-1945), frz. Dichter 
 

Montag, Mai 17, 2010

der Geist

Der Wonnemonat Mai macht seinem Namen in diesem Jahr keine Ehre. Beim besten Willen nicht, wobei der beste Wille hier auch nicht zu erkennen ist. Es ist durchgehend trübes Wetter, eine graue Wolkendecke versperrt uns die Sicht auf den Himmel und die Sonne scheint nur in den Gedanken auf uns - wenn überhaupt. Denn meiner Meinung nach ist es an manch solchen "Grau-in-Grau"-Tagen ziemlich schwer, auf gut Wetter zu machen, damit die Gedanken nicht die Farbe des Wetters annehmen. Sowieso ist es sehr schwer, der Umwelt zu entkommen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Nicht nur, dass es mit der Konzentration schwerfällt, nein, es kommt mir so vor, als wäre die Umwelt und die ganzen äußeren Umstände stärker als ich es bin. Momentaner Status: man schaukelt so vor sich hin. Und das ist nicht das, was man auf Dauer tun sollte.
Was also nun? Von der Schaukel abspringen? Oder doch eher an der Geschwindigkeit und der Beständigkeit arbeiten? Ich bin an und für sich für die zweite Option, doch, wie soll man das denn kontrollieren können, wenn es draußen windet? Den Wind kann man nicht kontrollieren, man kann lediglich versuchen gegen ihn anzuschaukeln. Erfolg ohne gewähr. Nicht, dass es das Einzige Problem bei der ganzen Sache wäre. Ich komme mir manchmal so vor, als wäre ich nicht alleine. Oh Gott! Sehe ich etwa tote Menschen? Oder gar tote Tiere? Nein, ich sehe weder noch, aber ich meine, dass ich von Geistern umgeben bin. Obwohl mir die Magie im Wetter fehlt, ist die Magie der Umwelt und der Geister allgegenwärtig.

Stimmen, die uns sagen was richtig und falsch sei; Lichter, die uns einen Weg weisen wollen; Geister, die überall um uns herum sind und uns beeinflussen. Ich definiere die Geister, die ich meine, nicht als Seelen von Verstorbenen oder irgendwelche halbdurchsichtigen Zombies, ich meine, dass diese Geister ganz real sind und sie in den verschiedensten Formen auf uns treffen. Sie werfen ihre Schatten in unseren Leben. Der Geist, der mich schon seit Wochen bis in meinen Träumen verfolgt nennt sich Angst. Er ist weder drichsichtig, noch gibt er komische "Buuhuu"-Geräusche von sich, er ist für mich zu 100% real und sein Schatten ist allgegenwärtig. Selbst wenn ich versuche weiterzuschaukeln hohlt er mich [trotzdem] ein.
Für mich ist die Liebe wie ein Geist. Ich weiß, dass viele Menschen an sie glauben, sie muss real sein, sie ist sichtbar in ihrer ganzen Vielfältigkeit. Aber nicht für mich. Ich tue mich schwer, sie zu sehen. Ich tue mich schwer, an sie zu glauben. Ich möchte in ihrem Schatten liegen und leben und lieben, aber ich spüre weder ihren Schatten noch sehe ich ihren Geist. Ist die Liebe vielleicht ein Flaschengeist - falls ja, wo liegt diese Wunderlampe und welche Reibetechnik muss man anwenden, um wenigstens einen Wunsch frei zu haben und eventuell erfüllt zu bekommen?
Irgendwann wollen wir alle von Geistern heimgesucht werden. Wenn Glück ein Geist sein sollte, dann warten wir doch alle nur darauf, dass er seinen Schatten auf uns wirft. Selbst wenn es eine Möglichkeit gibt, die Geister um uns herum zu knotrollieren, mit ihnen zusammen zu arbeiten, werden wir dann doch oft genug von den Geistern verfolgt, denen wir schon lange genug versuchen zu entkommen. Die Geister der Vergangenheit: die uns oftmals Tag für Tag die Fehler vorhalten, die wir einst machten. Egal wie sehr wir weitermachen, in manchen Momenten sind die Schatten der Vergangenheit zu dunkel, als dass wir sie ignorieren könnten. Ich kann mir nicht erklären, was die Geister damit bezwecken wollen, ob es einen tieferen Sinn dahinter gibt. Ich akzeptiere diese Momente, ich nehme sie oft als schmerzhaft wahr, ich atme sie ein, ich lebe sie und versuche dennoch sie zu vergessen. Der Geist der Zukunft ist der, der mich immer wieder aufs Neue antreibt und mir die Kraft gibt, es mit jedem Geist aufnehmen zu wollen. Und wenn wir nachts plötzlich wach werden und aus dem schläftigen Moment ein klarer Augenblick wird, merken wir, dass sogar die bösen Geister eine Funktion haben und der Geist, der in dieser Sekunde oder Minute vor uns steht, der uns sagt, dass es irgendwie weitergehen wird und dass es, wo es Schatten gibt auch Licht geben muss, dieser Geist lebt in und mit jedem von uns.

Oft sind es eben diese Stimmen in unseren Köpfen, die uns eine Entscheidung treffen lassen. Wir hören auf unsere innere Stimme in der Hoffnung, dass sie Recht behält. Wir schließen uns dem berühmt berüchtigten Bauchgefühl an und lassen es Oberhand ergreifen, wir akzeptieren die unsichtbaren Geister, die doch mehr als nur sichtbar zu sein scheinen. Dann sind wir vielleicht klar bei Sinnen, dann entscheiden wir...
Am Ende des Tages wird klar: meine Probleme sind die Geister, die ich rief.


jsg.

Montag, Mai 10, 2010

der AHA-Effekt

Wenn man vom Teufel spricht, kommt er um die Ecke. Dieser Spruch hat auf alle Fälle etwas sehr wahres in sich und an sich und auch um sich herum und ist sicherlich auch in vielen Fällen allgemeingültig. So ist es nicht nur mit dem Teufel, nein, so ist es mit eigentlich allem. Und die Dinge kommen schneller um die Ecke, als so manch einem lieb ist. Auf einmal steht da ein großes fettes AHA vor Dir. Da ist man den einen Tag noch süße, mehr oder weniger unschuldige 18 Jahre jung, allerplötzlichst - so ganz über Nacht - ist man in der unwichtigen, undefinierbaren, unnötigen Altersklasse - der 19-Jährigen angekommen. Ja so schaut das aus hier bei mir. Seit nunmehr fast zwei Wochen bin ich 19 Jahre alt und es ist wie bei jedem neuen Lebensjahr, ich bekomme es gar nicht wirklich mit. Und überhaupt ist das neunzehtne Lebensjahr doch völlig sinnfrei, natürlich nicht zum leben sondern wenn man logisch darüber nachdenkt. Mit 18 wird man 'erwachsen' und ist auch laut Gesetztgeber ein Erwachsener, mit 20 hat man wenigstens ne 2 davor und man ist kein 'Teenie' mehr; mit 19 ist man ein Jahr älter als man es mit 18 war und ein Jahr jünger als man es mit 20 wäre. Die Weisheit und die Reife und der erhoffte AHA-Effekt sind bis dato noch ausgeblieben. Naja, dachte ich, als ich die letzen Tage in meinem Kopf revue passieren ließ. Oberflächlich betrachtet gibt es da keinen großen, bedeutenswerten AHA-Effekt, aber kratz ich ein bisschen hier an meiner Fassade und buddel ich ein weniger dort im Dreck, dann kommt auf Teufel komm raus der ein oder andere nicht uninteressante Effekt zum Vorschein. Und genau das bestätigt dann wohl auch wieder, dass wenn man nur lange genug vom Teufel spricht,  oder 'wenigstens' nach ihm sucht, wird er mit großer Wahrscheinlichkeit um irgendeine Ecke angetanzt kommen. Das Leben ist kein Ponyhof! Wir alle kennen diesen Spruch und bei Gott (oder auch Teufel mag es wissen), diese Redensart ist wirklich und wahrhaftig der Wahrheit entsprungen. Die "Selbstständigkeit" habe ich mir anders vorgestellt. Mit naiven 18 Jahren zieht man blind und ohne die Welt zu kennen in eine fremde Großstadt; man lebt in einem Keller und meint, seinen Weg schon 'irgendwann' zu finden; man findet nicht den Weg, aber man findet heraus, dass das Leben macht was es nun einmal will und man lernt, dass man eben doch mehr als einem lieb sein mag herausfindet und findet. Ponys habe ich in meinem neuen Leben hier in der deutschen Haupstadt noch nicht entdeckt - daraus schließe ich schon so oder so, dass zumindest MEIN leben sicherlich kein Ponyhof ist. Ich i (be)merke, dass ich mit meinen 19 'neugewonnenen' Jahren begreife, dass ich mit 18 noch sehr naiv und unwissend war! Nein, nicht dass mir mit Neunzehn (ich wollt es mal ausgeschrieben haben) die Klar- und Weisheit kommt, aber mir wird wegen diesem Geburtstag klar, dass ich noch mehr als genug, genug, genug zu lernen habe... Also scheint die 19 doch irgendwie Sinn zu machen?

Wegen der Konfirmation meines kleinen, geliebten Bruders, musste ich nach Stuttgart reisen. Diese fünf Tage, die ich in de Schwabenmetropole verbracht habe, habe ich bestmöglichst (?) genutzt, um meine Herzensmenschen wiederzusehen und mit ihnen selbstverstehend Zeit zu verbringen und um natürlich meinen Bruder zu feiern. Ich will die kleine Chance hier nutzen um zu sagen, dass ich meinen Bruder sehr lieb habe und ich sehr stolz auf ihn bin! Seine Konfirmation war sehr schön (schöner als meine eigene). Aber vor allem habe ich einmal mehr gemerkt, dass ich meine Freunde und meine Familie hier in Berlin ungemein vermisse. Das alles hat aber trotzdem seine Richtigkeit und gehört zum Prozedere des Erwachsenwerdens wohlmöglich dazu. Ich akzeptiere das voll und ganz - mir bleibt nichts anderes übrig. Wie auch immer, ich habe die Zeit in Stuttgart sehr genossen und freue mich schon auf den nächsten Besuch. Bis dahin übe ich mich im Verschieben von wichtigen Dingen, im Augen-zu-machen vor wichtigen Dingen und im Schöner-Reden von wichtigen Dingen, die aber nicht so schön laufen. Ich habe also genug zu tun.

Stuttgart ist wie eine kleine Insel für mich geworden, eine Insel, auf der die Berliner Probleme gar nicht Wirklichkeit sind, auf der ich es mir [relativ] gut gehen lassen kann und Berlin vergessen kann. In de Realität kann und sollte ich Berlin natürlich nicht vergessen. Immerhin baue ich mir dort meine neue und ganz reale Identität auf. Auf dem Heimweg nach Berlin hatte ich genügen Zeit (1,5h Stau) über mein Darsein nachzudenken. Wohlgemerkt war der tag der Rückfahrt mein 19. Geburtstag. Ich hätte ihn mir einerseits schöner vorgestellt und andererseits war er wie er nun einmal war - ein Tag wie jeder andere! In einem Auto mit 2 fremden Männern, und meinem Prosecco aus der Dose und dem Piccolo-Sektflaschen. Es macht doch schon ziemlich Spaß, mit sich selbst anzustoßen ;)
 Weiter im Verlauf: In Berlin angekommen wurde ich wirklich sehr süß wieder Willkommen geheißen und wir (Buffi, Gregor, Manu und meine Wenigkeit) haben den Abend 'gebührend' gemeinsam ausklingen lassen; denn am Tag daruaf sollte schon die Hamburg-Reise folgen...

 von & aus Hamburg
 - Die Reeperbahn ist zum größten Teil assozial. Die Herbertstraße ist langweilig und das Gentleman-Konzert war (laut meiner höchstpersönlichen Meinung) nicht der Burner. Hauptsache aber, das Hostel in welchem wir hausten war 'günschtig' und das Wetter war gut. Sicherlich ist mein kurzer Eindruck von der Hansestadt nicht wirklich repsräsentativ, aber ich empfand die Ecken, die ich von Hambrug mitbekommen habe, als schlichtweg dreckig, schmutzig, versext und assi. Zum Glück habe ich mich für die Hauptstadt entschieden und ich weiß, dass der Bahnhof Zoo nichts im Gegensatz zur Reeperbahn ist! So viele Penner habe ich konzentriert noch nie auf einem Haufen bei hellichtem Tage gesehen, wie in Hamburg. Alleine schon aus diesem Grund und weil ich mich in Hamburg wie ein Tourist auf Abifahrt gefühlt habe, weiß ich, dass ich kein Hamburger bin. Vielleicht manchmal ein Diätburger oder ein Cheeseburger, wenn ich den ganzen Tag in neuen Schuhenm rumlatsche, aber kein Hamburger. Das stört mich auch weiter nicht, denn es hat schon seinen Grund, dass ich aus dem Stuttgarter Talkessel in das große Berlin gezogen bin.
Darf oder kann ich also behaupten, dass mir in Hamburg der AHA-Effekt wie aus dem heuteren Himmel kam? NEIN! Das kann ich nicht. Also eigentlich nicht. Viel Zeit nach dem hamburger AHA zu suchen blieb uns oder mir sowieso nicht. Vier liter Vordka einzunehmen und diverse andere alkoholische Getränke - das braucht natürlich seine Zeit ;) Der AHA-Effekt stellt sich also als schleichender Effekt heraus? Tag für Tag erleben wir einen neuen AHA-Effekt, summiert ergeben die ganzen kleinen und schon teilweise mittelgroßen "AHA-Effekte" irgendwann, vielleicht erst nach Jahren (?) den einen, bedeutsamen AHA-Effekt. Was ich versuchse zu sagen, ist gant einfach. Wir warten auf die große Erleuchtung, auf den Tag, an dem uns alles klar wird, auf die Stunde der Wahrheit. Dabei erleben wir diese Tage, diese Stunden Tag für Tag. An manchen Tagen mehr und an manchen Tagen weniger, und dann gibt bes noch die Tage, an dem das fette große AHA vor einem steht und man gar nicht drauf klarkommt. Meiner Meinung nach gibt es nicht diesen einen einzigen Tag; diese eine wahrhaftige Stunde - okay, sicher wird uns irgendwann in ein paar Minuten etwas großes offenbart, wer weiß, ich weiß es nich - aber letzendlich und eigentlich erleben wir jeden Tag einen AHA-Effekt. Mal ist er größer und mal eben weniger groß aber wenn wir am Ende eines Tages im Bett liegen und das Geschehene gedanklich nochmal nachspielen wird uns klar, dass wir irgeneinen Nutzen daraus ziehen können (und müssen?). Das oft gewollte und erwünschte "AHA" passiert also jeden Tag! Dabei gibt es zwei Seiten des 'AHAs'. Die eine Seite, die einen lehrreichen Effekt erzielen soll und die andere Seite, die wir jeder für uns selbst definieren sollten. Im Ende sind es wir, die das AHA bestimmen, die aus dem AHA eben ein "AJA" machen [können] oder nicht. Uns bleibt eigentlich nichts anderes übrig, als es immer wieder aufs Neue zu versuchen.


 - diese Aufnahme entstand in Hamburg am 28.4.2010: Zimmertüre -

Samstag, April 24, 2010

der Buntmaler

Ich bin so froh, dass der Himmel blau ist und nicht grün oder sogar rot. Zum Glück ist er nicht gelb, denn dann würde uns das perfekte Zusammenspiel der hell strahlenden Sonne mit dem wunderbar blauen Himmel gar nicht auffallen. Deutschland blüht nach einem harten Winder endlich wieder auf. Es gibt nichts schöneres (außer natürlich das Endprodukt: den Sommer!). Es liegt in der Luft - diese Energie, die auftaut und uns alle versucht langsam mitzureißen. Ich muss sagen, ihr Plan geht auf. Ich spüre den Frühling schon in meinem Blut. Vor allem und gerade weil es der erste Frühling ist, in dem ich durch meine Nase einatmen kann. Selbst wenn ich bald wieder die Pollen bekomme, ich bin trotzdem im Frühlingsfieber. Nur das Frühlingsfieber hat sich im Laufe der Jahre und des Älterwerdens verändert.
Mit den Knospen und den ersten, kleinen Blättern, die den Bäumen ein zartes grün schenken, dachte ich einst automatsich, dass jetzt alles wieder bergauf gehen MUSS. Es kam für mich unterm Strich nicht wirklich eine andere Möglichkeit in Frage. Frühling als Vorbote für den Sommer, Frühling als absolutes Stimmungs- und Lebensqualität-Barometer; sozusagen. Mittlerweile bin ich da anderer Meinung. Meine Laune ist wirklich deutlich angehoben, aber der Frühling lässt meine Probleme nicht verblassen. Er lässt die Natur erwachen und malt den grauen Alltag wieder etwas bunter. Aber er radiert nicht unsere Probleme aus! Immerhin malt er mit vielen verschiedenen Farben -  ohne Deckweiß. Ich weiß, dass der Frühling meine Probleme nicht aus der Welt schaffen kann. Er kann sie nicht einfach in bunt übermalen. Das Schwarz wird immer durchkommen. Der Frühling findet mir keine eigene Wohnung, der Frühling findet mir keinen zweiten Nebenjob oder einen Praktikumsplatz oder eine Badewanne voll Geld! Aber ich will mir selbst sagen, dass er mir die Augen mit Pastellfarben öffnen kann, um dadurch den Versucht zu starten, mir zu zeigen, dass man sogar das dukelste Schwarz mit dem richtigen Deckweiß verblassen lassen kann. Der Frühling ist kein Problemlöser, aber vielleicht ein Startschießer?

"Ein Optimist ist ein Mensch, der ein Dutzend Austern bestellt, in der Hoffnung, sie mit der Perle, die er darin findet, bezahlen zu können."
- Theodor Fontane

Der Buntmaler strahlt Optmismus aus. Seine Farben zeigen uns, dass nach einer Grauphase wieder Farbe kommen kann und wird - und das Jahr für Jahr. Der Buntmaler schafft es, uns ein Lächeln aufs Gesicht zu malen, mit seiner einzigartigen Kunst schafft er es sogar, dass wir die Farbe unseres Lächelns in Optimismus verwandeln wollen. Ja, ich bin wirklich der Überzeugung, dass der Buntmaler bei ins Schwarze getroffen hat! Ich sehe die Welt mit mehr Farben, als noch vor Wochen. Natürlich bin ich mir der Tatsache bewusst, dass ich mein Leben selbst malen muss, mit meinen eigenen Farben, aber der Frühling ist nach einer langen und farblosen Zeit, eine wahre Inspiration. Er inspiriert mich dazu, meinen Farbkasten heraus zu kramen und ihn auch zu benutzen. Er drückt mir den Pinsel an manchen warmen Tagen förmlich in meine Hand. Jetzt muss ich es nur noch schaffen, endlich (!) mit dem malen anzufangen. Ich mal mir meine Welt bunter und farbenvielfältiger. Das geht am besten mit der passenden Motivation - mit einem Besuch in Stuttgart und einem Wiedersehen mit der Familie und den Freunden. Inspiration und Motivation färben einen Schwarzmaler in einen Optimisten, naja, einen angehenden Opimisten, der sich "nur" noch in den Farbtopf seines Lebens fallen lassen muss und seiner künstlerischen Ader dann freien Lauf lassen kann. Leichter gesagt, als getan. Manche sagen, dass schwarz keine Farbe wäre, aber trotzdem ist diese Nichtfarbe überall vorhanden, auch in Farbkästen. Vor allem aber, in meinem Leben. Ich versuche schon seit längerer Zeit, optimistisch zu sein, aber manchmal kam mir Optimismus wie schwarzer Humor vor. Ich sehe den Farbtopf, ich hab sogar schon meinen Finger hineingehalten, aber ich kann nicht reinspringen, ich sehe hinter mir und um mich herum noch zu viel schwarz. Ich will nicht nach der Deckweißtube greifen, will das Schwarze nicht abdecken, ich will es schaffen, es bunt machen! Das muss möglichsein, so viel Optimismus habe ich, um das aus Überzeugung sagen zu können. Hat Xavier Naidoo also Recht? Kann wirklich alles besser werden?

"Optimist ertrinkt in halbvoller Badewanne!!"
- Schlagzeile aus "American Dad"

Die Zeit und die Erlebnise und Erfahrungen, die sie mit sich bringt macht aus uns Menschen manchmal Schwarzmaler; und irgendwann heißt es dann plötzlich Schwarzmaler vs. den Buntmaler. Diese Gegenüberstellung stellt sich von Menschen zu Menschen unterschiedlich dar, aber im Ende ist sie doch immer die Gleiche: sie ist die Frage, die wir uns selbst zu oft stellen. Wollen wir weiterhin alles grau in grau gefärbt lassen, oder wollen und sollten wir die Farben endlich sehen? Unser Leben in technicolor oder doch lieber als Schwarzweißfilm? In genau diesem Ende, in welchem wir uns dieser Frage konfrontiert fühlen, sollten wir nicht nur mit dem Herzen und mit dem Kopf entscheiden, sondern auch mit unserem geistigen Auge! Denn wir alle können die Farben sehen, und wir sehen nicht nur die Grundfarben, wir sehen unendlich viele Farben, wenn wir nur wollen - wenn wir nur richtig hinschauen.

Wir sollten alle unendlich froh darüber sein, dass der Himmel über uns blau war, blau ist und blau bleibt :)
Denn selbst, wenn uner Himmel manchmal grau oder schwarz ist, wir wissen trotzdem, dass wenn wir hochschauen und unsere Augen wirklich öffen, wir den blauen Himmel sehen...



- lasst uns die F a r b e n mit Löffeln essen -

Samstag, April 17, 2010

der Führerschein

Wenn wir uns nicht selbst vor Enttäuschungen schützen können, wer schützt uns eigentlich dann? Hat jeder Mensch einen anderen Mensch, der den Airbag spielt, wenn wir kurz davor sind, uns selbst weh zu tun? Und sind wir gleichzeitig alle in der Lage, den menschlichen Airbag für unsere Nächsten zu mimen?  Zwischenmenschliche Beziheungen sind ziemlich schwer zu definieren. Das ist uns allen klar. Denn wir alle stehen jeden Tag aufs neue der Herauforderung der „zwischenmenschlichen Beziehung“ gegenüber. Täglich grüßt das Murmeltier, täglich grüßen uns die Menschen in unserem Leben, mit denen wir uns befassen. Sie sind in unseren Gedanken, sie sind Teil unseres Lebens und formen unsere Persönlichkeit – jeden Tag aufs Neue. Nehmen wir an, wir alle haben einen Führerschein, für den wir nicht unmengen von Geld zahlen mussten. Diese „Fahrerlaubins“ bekommen wir am Tage unserer Geburt. Am Anfang wissen wir nichts. Wir wissen auch nicht, wie wir diesen Schein nutzen sollen. Mit den Jahren, lernen wir die unterschiedlichsten Dinge, wir lernen lesen und schreiben, manche von uns lernen sogar rechnen (ich gehöre leider nicht dazu, aber ich lebe, und wenigstens kann ich das kleine Einmaleins), selbstverständlich lernen wir mit einander umzugehen. Manche lernen dies mehr und manche lernen es weniger. Aber wir alle lernen, da sind wir uns einig. Das Leben ist ein einziger Lernprozess.  Dadurch, dass wir uns an Wissen und Erfahrungen bereichern, erlernen wir zeitgleich auch, den uns angeborenen Führerschein zu nutzen. Weil ich gerade den Versuch starte, unser komplexes Leben in eine Art „Form“ zu pressen, und dabei die schwierigen Situationen, die uns mit jedem neuen Tag gegenüberstehen bildlich zu erfassen, sage ich heute einfach mal, dass unser Leben eine Autofahrt ist. Dazu muss ich kurz erwähnen, dass ich selbst keine Erlaubnis habe, ein PKW zu fahren. Naja, ich sehe das auch nicht ein, mir eine Erlaubnis dafür zu kaufen – zu viel Geld, dass ich sowieso nicht habe und zum Glück kommt man in Berlin IMMER von Punkt A zu Punkt B, egal wie! Aber zurück zum „Abenteuer Leben“ aka „Auto“. Wir alle haben also den Führerschein für unser persönliches Auto. Ich finde das Beispiel eigentlich ziemlich gut, denn es ist sehr leicht zu verstehen. Bei roten Ampeln muss man halten, bei grün darf man fahren. Mal sind die Straßen, die wir befahren holprig und mal sind sie gut gepflastert. Wir fahren an Unfällen vorbei und die allermeisten von uns geraten leider hier und da auch mal selbst in einen Unfall. Unsere Autos sollten mit mindestens einem Airbag ausgestattet sein. Dieser Airbag kann jeder sein – meistens ein geliebter Mensch. Ein Mensch, dem wir uns anvertrauen, dem wir uns verraten.

Auf unserem Weg stellen wir fest, dass wir kein integriertes Navigationssystem haben, also müssen wir uns auf unseren Orientierungssinn verlassen. Der ist mal stark und mal weniger stark ausgeprägt.Normal. [Es gibts hier keinen wirklichen Standart; bei diesem Auto gibt es nur Sondermodelle, keine Massenanfertigung. ] Sind wir ehrlich, keiner kennt den richtigen Weg, irgendwann landen wir alle einmal in einer Sackgasse, einer Einbahnstraße. Da fällt das Wenden sehr schwer, vor allem, wenn die Gangschaltung klemmt. Es soll sogar vorkommen, dass man gegen eine Wand prallt und das Gefühl hat, einen Totalschaden zu erleiden. Genau in diesen Momenten sollten unsere Airbags aufgehen, und uns den Aufprall ein wenig weniger hart machen. Der Aufprall, auch Enttäuschung oder Niederschlag genannt, kann nicht wett gemacht werden, keiner kann uns davor schützen, aber wenn wir Glück haben, kann unser Airbag uns vor Genickbrüchen bewahren. Wir kommen nicht ohne Schrammen, Kratzer oder blauen Augen heraus, vllt schaffen es manche von uns nicht einmal, den Aufrpall ohne diverse Brüche zu überstehen, aber wenn wir einen guten Airbag haben, schaffen wir es lebendig wieder aus der Sackgasse heraus. Und dann fahren wir weiter. Wir fahren früher oder später immer weiter. Selbst, wenn wir das gar nicht wollen. Unser Motor lässt uns immer weiterfahren - mal schneller, mal weniger schnell, aber wir fahren bis zu dem Tag, an dem sich unser Motor frei- oder unfreiwillig entscheidet, dass wir genug gefahren sind. Bis zu diesem Tag müssen wir es bei Regen, bei Schnee, bei Hitze und bei Kälte schaffen, unser Lenkrad fest im Griff zu haben, um auf unserer Straße zu bleiben.

Im Endeffekt kommt es darauf an, dass wir versuchen, diese Fahrt für uns zu fahren um irgendwann einmal sagen zu können, dass wir wenigstens streckenweise richtig Vollgas gegeben haben.  Dass wir den uns geschenkten Führerschein voll ausgenutzt haben und ihn nie aus der Hand gegeben haben. Letzendlich ist dieser Führerschein doch auch eine Art Schlüssel zum Glück. Dass wir uns sicher sein können, dass unsere Airbags immer bereit wahren, uns vor Erschütterungen und Schäden zu hüten.
Ich bin froh, sagen zu können, dass ich wirklich solche Airbags in meinem Leben habe. Ich bin für jeden dieser Airbags in meinem Leben mehr als nur dankbar. Manche nennen ihre Freunde ihre Sterne am Himmel oder ihre Felsen in der Brandung, ich nenne sie meine Airbags.

Ich brauche diese Airbags. Ich bin gerne ein Airbag; ich bin dankbar dafür, als Airbag angenommen zu werden. Ich kann mir nicht vorstellen, diese Fahrt ohne Airbags zu überstehen. Weil ich glaube zu wissen, dass es ist eine lange Fahrt ist - zurück zu uns...


fangen wir damit an, an uns zu glauben

Dienstag, April 06, 2010

der Träumer

Es war einmal, in einer großen Stadt ein kleiner Junge, der sich einigen größeren und noch größeren Tatsachen stellen musste. Hierbei handelt es sich, wie in jedem anderen Märchen auch um das Bekämpfen von Drachen und das Retten von schlafenden Schönheiten. Selbstverständlich steht die Hauptfigur der Geschichte im Zwiespalt von Gut und Böse, zwischen Richtig und Falsch. Wie wir alle wissen, ist es nicht die leichteste Sache der Welt, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden. Manchmal sieht das Falsche richtig aus und umgekehrt. Zwansgläufig begehen wir Fehler und treffen weniger gute Entscheidungen. Der Weg zum angepeilten Ziel erscheint einem dann wie ein Spießroutengang oder ein Marsch durch ein Dornengebüsch.
Das Märchen begann mit einer Zugfahrt von Stuttgart nach Berlin. Die erste Station war im abgelegenen Pichelsberg. Mit Drachen musste er damals noch nicht kämpfen, aber dafür mit Hexen, Hunden und Kellerverließen. Aber was wäre ein vernünftiges Märchen, ohne Drachen? Also muss(te) der Junge auch gegen Drachen kämpfen. Der größte Drache, dem er sich noch stellen muss, nennt sich "Wohnungssuche". Momentan findet er sich in Kreuzberg wieder und er weiß, dass er dort nur auf der Druchreise ist. Nachdem er und seine damaligen Gefährten schon mehrere Kämpfe mit den verschiedensten "Wohnungsbesichtigungs"-Drachen verloren hatte, entschloss er sich im Alleingang gegen den größten Drachen anzukämpfen. Wahrscheinlich ist das die richtige Entscheidung, selbst wenn sich der Junge noch viele Gedanken macht und sich selbst Tag für Tag eingestehen muss, dass seine Geschichte zu ändern nicht so einfach ist, wie er es einst annahm.

In der Tat; er beschäftigt sich lieber mit träumen. Er träumt von langen Sommertagen, von dem unbeschwerten Leben, von lauen Sommernächten und davon, wie er und seine Kompanie die Nächte zu Tagen machen. Er baut sich die schönsten Traumschlösser, mit hunderten von Zimmern. In jedem Zimmer befindet sich eine andere Überraschung und jedes Zimmer sieht anders aus, damit er all seine Freunde und seine Familie um sich haben kann, wann er will, damit sich seine Herzensmenschen in seinem Traumschloss wohl fühlen. Mit einem riesigen Garten, in dem es immer Sommer ist - inklusive einem riesigen Pool, der sich von selbst säubert. Ein Traumschloss, indem er alles hat, was er braucht und in dem die Sorgen des Alltags keinen Platz haben. Ja, im Bauen von Traumschlössern ist der Junge ziemlich gut. Manchmal fällt es ihm sehr schwer, sich selbst wieder aus dieser Welt rauszuholen. Oft übernehmen das andere für ihn. Die Bösen; die bösen Wahrheiten und Realitäten, vor denen er sich nur allzugerne verstecken würde, es aber nicht kann. Also beginnt er sich mit Schwert und Schild zu rüsten, um sich diesen Warheiten zu stellen. Er weiß ja schon, dass wegrennen nichts bringt. Doch was er nicht weiß ist, wie man gegen die Bösen ankämpft, wie man mit den Drachen fertig wird. Leider kennt er keine Zauberer, die ihm mit Zauberformeln helfen könnten, die Drachen auf "friedliche" Weise zu besiegen. Er ist sich dessen bewusst, dass er in den Kampf ziehen muss. Dabei vergisst er nicht, auf seinem Weg nach vorne, die schlafenden Schönheiten aufzuwecken, die ihm begegnen. Die kleinen Schönheiten im Leben, die selbst den grausten, dunkelsten Tag aufhellen können. So kommt es, dass er versucht, diese Schönheiten zu wecken, sei es mit einem Kuss oder nur mit einer leichten Berührung. Er versucht Menschen, die ihm etwas bedeuten zu berühren, im Gegenzug wird auch er berührt. Und sogar die kleinsten Berührungen, die seine Seele und sein Herz nur zaghaft streifen, lassen ihn aufleben und schenken ihm neue Kraft, um nicht aufzugeben, um sich nicht geschlagen zu geben, um immer und immer wieder weiter zu marschieren...
So wacht der Träumer vorrübergehend auf, nicht aber, um Realist zu werden, nicht um wieder in sein Pessimisten-Dasein zurückzukehren, nein, er wacht auf, um seinen Träumen zu folgen und an ihnen festzuhalten. Und selbst wenn manche Träume letztendlich Schäume bleiben, so wird er sich tief in seinem Herzen sicher sein, dass der eine oder andere kleine Traum zur Realität werden wird. Dafür kämpft er ab jetzt und ab heute und im Hier. Dafür stellt er sich den Drachen, den Hexen und den Dorchenbüschen, dafür nimmt er es mit Ungeheuern und mit der Realität auf sich...

Es war also einmal in einer großen Stadt, ein kleiner Junge, der ein Optmimist werden wollte. Heute, hier und jetzt und jeden kommenden Tag wird er es aufs Neue versuchen und je näher die leichten Sommertage kommen, je weiter öffnet sich sein Herz dem, was noch auf ihn wartet...



In diesem Märchen kann man auch ohne Zauberei,
aus einem Falschen weg, DEN richtigen machen.

Sonntag, März 28, 2010

der Wechselkurs

Die Grundvoraussetzung für eine lange Überlebensdauer ist das Material, aus dem 'Etwas' geschaffen ist. Wenn es stabil ist, hält es viel aus. Letzendlich entscheiden aber die Rahmenbedingungen, wie lange die Stabilität gewährleistet ist. Die Rahmenbedingungen können also einen erheblichen Einfluss auf das [eigentlich?] langhaltende Material ausüben. Wir erwarten von den meisten Dingen in unserem Leben, dass sie möglichst stabil sind, damit sie möglichst lange halten. Dabei vergessen wir, dass nichts für die Ewigkeit geschaffen ist. Das fängt bei uns an und hört genau deshalb auch wieder bei uns auf. Vergänglichkeit ist unsere Bestimmung, sozusagen unser Schicksal, dem wir nicht entkommen können. Wir sind aus einem Material geschaffen, dass früher oder später nicht mehr stabil genug ist.
Letzte Nacht wurden die Uhren eine Stunde vorgestellt. Wir haben den Kurs gewechselt. Und obwohl die Zeit immer schneller vergeht, will gut Ding trotzdem Weile haben. Ist das möglich? Es ist schon fast April, der Frühling kommt, man merkt es an der Luft und an den ersten warmen Tagen, man merkt es an den Menschen, die auf einmal überall sind [und meinen, schon kurze Hosen tragen zu können], man merkt es an der Stimmung - diese Vorfreude hat uns die sonnigen Tage noch mehr genießen lassen.
Ich beginne mir schon die kommenden Wochen auszumalen, ich zeichne den Sommer schon in meinen Gedanken, ich pflanze kleine Samen in meinen Kopf, die zu einer Pflanze wachsen sollen, die sich Optmimismus nennt. Ich versuche, meinen Kurs zu wechseln. Im Endeffekt habe ich gar keine andere Wahl. Die Zeit wartet nicht auf mich. Am Mittwoch ziehe ich aus 'meinem' Keller aus, zugegeben, etwas schwermütig. Schwer, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich muss mir noch Gedanken machen, wie ich meinen Balast am besten mit mir nehmen kann. Ich verlasse Charlottenburg, um vorrübergehend in Kreuzberg Halt zu machen.
Das ist auch vollkommen in Ordnung für mich, ich freue mich auf den April und auf neue Erfahrungen und neue Hürden, nur habe ich Angst, dass ich mir die falschen Dinge vornehme und so nicht weiterkomme. Den Kurs zu wechseln ist wahrscheinlich das Normalste der Welt. Wir alle wechseln Kurse, ständig und andauernd. Aber wie viele Kurswechsel tun gut, gibt es eine Maximalgrenze für Veränderungen in einem Leben? Niemand schützt einen vor einem falschen Kurs, wir haben keinen eingebauten Schutzmechanismus, jedenfalls weiß ich von keinem. Manchmal ist es ja auch etwas Positives, nicht immer auf der sicheren Seite zu stehen, sich auf etwas einzulassen, dass einem total verrückt erscheint, einem eigentlich keinen Sinn macht. Wieso sollte sich das Einlassen auf ein Risiko nicht auszahlen? Das Material erscheint uns dann vllt nicht das stabilste, aber mit Arbeit und vielleicht auch mit einem guten Plan kann man bestimmt auch aus einem weniger stabilen Material etwas Langfristiges bauen.

Was ich versuche zu sagen ist, dass ich mit jedem Tag und mit jedem Kurswechsel lerne, dass sich der Wahrheit zu stellen wesentlich weniger Energie kostet, als vor ihr weg zu rennen. Ich bin Asthmatiker, rennen ist nicht meine Stärke,wenn man dann noch von Natur aus faul ist, erschwert einem das das Rennen. Trotzdem habe ich in den letzten Tagen das Gefühl, vor einigen, meiner Wahrheiten weg gerannt zu sein. Dass die Wahrheit schneller ist, habe ich wohl bei diesem Halbmarathon weitgehendst ausgeblendet. Dabei habe ich viel zu viel Energie verbraucht. So wie der Himmel über uns klarer geworden ist, sind auch Gedanken klarer geworden. Wir setzen unsere Energie oft falsch ein, wir investieren sie in einer verkehrten Weise. Würden wir uns weniger mit dem Wegrennen befassen, könnten wir die Wahrheit viel schneller akzeptieren und auf ihr aufbauen. Damit würde alles stabiler werden und die Rahmenbedingungen geeigneter für eine Langfristigkeit werden.
Mit der Zeitumstellung und der Sonne sollten wir auch den Kurs wechseln, um Energie zu sparen, um unsere Energie an den richtigen Baustellen einsetzten zu können, um uns stabiler zu machen, um etwas zu schaffen, was Dauer hat, damit wir die uns verbleibende Zeit richtig ausnutzen können. Das macht das Leben aus!




I still believe in summer days, the seasons always change & life will find a way

Sonntag, März 21, 2010

der Ausflug

Diesen Mittwoch war ich in Hawaii. Eigentlich wollte ich nach Calella, aber da ich nüchtern bleiben musste und dementsprechend wirklich stocknüchtern war, entschloss ich mich für Hawaii. Muss ja wirklich schön dort sein. Meine Erinnerungen an diesen amerikanischen Bundesstaat sind ziemlich verschwommen. Genauer gesagt, habe ich jegliche Erinnerung an Hawaii verloren. Das ist übrigens an und für sich ziemlich schade, aber in diesem besonderen Fall sollte ich es als ‚nicht weiter tragisch‘ einstufen und abhaken. Als ich in meinem Krankenhauszimmer aufwachte war der Kurztripp auf die Insel auch schon wieder vorbei und ich war high (Achtung: Reim!) Weg aus Hawaii und weg vom Fenster. Das Wort Vollnarkose ist hier untertrieben. Hawaii muss kurz aber schön gewesen sein. Und sehr intensiv.
Nach einer unruhigen Nacht in einem ubequemen Krankenhausbett bin ich dann auch wirklich mit Tampons in der Nase aufewacht – in der Fachsprache Tamponaden. Irgendwie zwischen unangenehm und „scheiß egal“ würde ich auch diese Situation einstufen und im Verlauf der Geschehnisse fortfahren. Die Dinger wurden mir ja zum Glück im Laufe des (Donners)Tages entfernt und damit brach auch der Damm, der das klumpige Blut zum fließen brachte. Da wurde mir dann auch gesagt, dass mir Röhrchen in die Nase eingenäht worden sind, damit das Blut besser abfließen kann. Dann widerrum hätte ich beinahe gebrochen, denn diese Vorstellung wiedert mich an. Die Röhrchen sind immernoch drin, bis Montag, meine Nase blutet momentan immernoch. Auch wenn die Blutungen immer schwächer werden.* Antibotika wird auch bis Montag genommen. Ach meine Güte, wie ich Krankenhausaufenthalte doch liebe. Sie sind langweilig und die meiste Zeit schläft man. Die Schwestern waren aber wirklich im Großen und Ganzen ziemlich nett. Heilfroh, im wahrsten Sinne des Wortes, war ich über den lieben Besuch von Buffi und Chrille :) Hat mich unheimlich gefreut, vor allem die Kekse, Nutella und der „Gute Besserung“ – Luftballong! YEAH! Der wird noch 'ne ganze Weile halten...

Was nicht mehr lange hält, ist meine Geduld. Jetzt kommt nämlich das * was ich wirklich loswerden muss. Meine Nase blutet immernoch, es ist Sonntag. Sie will nicht aufhören zu bluten. Vielleicht will sie ja aufhören, aber wenn sie es will, dann wohl nicht genug, denn sie tut es nicht. Sie hört nicht auf. Ich habe seit Mittwoch nicht mehr richtig durchgeschlafen. Meine angeschwollene, schon von Natur aus breitere Nase, die jetzt noch breiter ist, blutet und löst sich innerlich auf. Meine Nerven lösen sich langsam immer mehr auf. Ich blute! Qualitativ hochwertige Lebensqualität sieht anders aus und fühlt sich auch mit der größten Sicherheit anders an. Meine Gedanken bluten und spielen verrückt oder noch besser: ich blute in diesem Rausch verrückt spielende Gedanken. Zwischen schlechter Schlafphase Nr. 1 und unruhiger Schlafphase Nr. 2 träume ich wirres Zeug, was mich noch weniger zum schlafen bringt. Weil ich nicht schlafen kann, denke ich nach. Jetzt stelle ich mir unter anderem die Frage; bluten wir immer? Laufen wir unser Leben lang - Tag für Tag - mit blutenden Wunden herum? Mal mehr und mal weniger blutend? Gewöhnen wir uns an diesen Zustand und akzeptieren wir ihn sogar? Ich akzeptiere diese blutende Nase wirklich nicht, aber nach fast 4 Tagen habe ich mich schon fast daran gewöhnt, 3x täglich dieses Tamponaden-Etwas zu wechseln. Aber die Wunden, die nicht für jeden sichtbar sind, die blutenden Wunden, die wir alle besitzen, vergessen wir doch im Alltag zu pflegen, uns intensiv um sie zu kümmern. Deshalb bluten wir auch wahrscheinlich irgendwie immer. Ist uns das egal geworden? Ich meine, die Wunden werden doch nicht weniger, die Blutungen hören doch nicht einfach auf, oder sind wir ausgeblutet?

Und bald ist April. Ich kann es kaum erwarten. Frühlingsanfang im Kalender und auch bald in der Temperatur. Ich seh uns alle schon in kurzen, knappen Klamotten und strahlenden Gesichtern! Im April werde ich nicht nur 19, nein, im April mache ich einen Ausflug nach Kreuzberg, mal die Wohnsituation bisschen ändern. Im April wird sich auf mehrere Ausflüge begeben, damit ich mir eine eigene Herrberge suchen (und finden!) kann. Nach monatelangem Hin und Her habe ich mich jetzt doch dazu entschieden, alleine zu leben. In eine WG kann ich immernoch ziehen, wenn ich merken sollte, dass ich alleine nicht klarkomme oder lieber Gesellschaft haben möchte. Wobei, die Gesellschaft kann ich mir ja dann auch besorgen, wenn ihr wisst, was ich meine ;)
Achja, im April steht nicht nur ein Auflug nach Stuttgart im Terminkalender, da mein kleiner Bruder seine Konfirmation feiert, nein ein weiterer, mit Sichterheit aufregender Ausflug wird schon von mir und auch von anderen heiß erwartet. Dazu wann anders (viel) mehr!
Sobald die Nase einmal wieder Normalgröße hat, ich endlich, nach Jahren, auch mit ihr atmen kann,sollte sich die besagte Lebensqualität verbessern. Alles andere nehmen wir ja Tag für Tag in Angriff. Dabei stellen wir fest, dass wir manchmal auch Dinge tun müssen, die wir nicht wollen. Dabei stellt sich eine elementare Frage: Muss man wirklich manchmal tun, was man glaubt, tun zu müssen? Wir verabschieden uns von Menschen, die unser Leben verlassen wollen oder müssen, wir verlassen Menschen und manchmal verlässt uns der Mut un die Hoffnung. Genau diese Momente, die irgendwann an einem unumgehbaren Punkt angekommen sind, lassen uns bluten, lassen uns aufgeben und lassen uns die Wunde, die diese Momente hinterlassen einfach hinnehmen. So weh das auch tun mag, selbst wenn wir diese Wunden gerne verbinden wollen, stoppen wollen, aber manchmal können wir das nicht. Bluten ohne zu verbluten? Das können wohl nur diese unsichtbaren Wunden...


Danke an den Einen und die Andere, die einen Ausflug in meinen Blog wagen.
Einen Gruß an einen guten Freund, der das auch tut, Ingemar.

Dienstag, März 16, 2010

der Keller

Berlin-Pichelsberg, 15:00h. Leerstehende Geisterstadt nirgendwo im Irgendwo, 15:00h. Das Irgendwo nennt sich Berlin, das Nirgendwo Pichelsberg. Die Uhrzeit ist wahrhaftig und man mag es trotzdem nicht glauben. Wir sind wirklich in Berlin. Ich Keller-Kind aus Pichelsberg, wo nichts los ist. Pichelsberg ist scheintot, wie ein Käfer, der sich tot stellt, wenn ein Feind in der Nähe ist. Aber hier gibt es keinen Feind, nur den sich totstellenden Käfer, dessen Akt des Totstellens sich als Dauerzustand entpuppt. In diesem Teil der Hauptstadt wird der Bordstein um 18:00h hochgeklappt, nur der Pichelsberger Krug hat noch bis 22:00h offen, soweit ich richtig informiert bin.
Langer Einstieg, kurzer Sinn: Ich muss hier weg.Fast 5 Monate in Pichelsberg sind fast 4 dreiviertel Monate zu viel. Zu meiner Schande muss ich allerdings gestehen, dass ich mich an das Kellerambiente gewöhnt habe. Ich nenne es beinahe schon (versehentlich) mein 'zu Hause'. Jetzt musste mich ein ungebetener Gast, ein Überraschungsbesucher, ein unangemeldeter Zimmergenosse auf den Kellerboden der Tatsachen zurückholen. Aus meinem Darsein als KellerKind muss ein Darsein als Berliner Jung' werden. Schlicht und leicht und ein wenig ergreifend formuliert. Ist es nach dieser Zeitspanne wirklich genug?! War das, was im Folgenden geschildert wird mein "Wake-Up-Call"?
Ich wache also eines morgens auf, möchte meine Socken vom kleiderübersähten Boden wegräumen und muss erstaunt mitansehen, wie eine schwarze, kleine Kugel aus meinem zusammengewurschtelten Socken rauskullert und mich doch tatsächlich anstarrt. Eine Maus? Pardong, eine Spitzmaus... in meinem Keller? Das ist nicht ihr Ernst? Oh doch. Hallo Realität, willkommen in MEINEM Keller! Denn: was ist schon ein Keller ohne Maus? Das darauffolgende Drama möchte ich aus Gründen des Personenschutzes nicht weiter ausführen. Nachdem ich letzendlich von der Maus befreit wurde und mein Herz wieder in einem normalen Rythmus schlug, wurde mir wärmstens empfohlen, meine Koffer auszupacken um mich zu vergewissern, dass nicht noch weitere Mäuse mich persönlich kennenlernen wollen. Ich bin dieser Empfehlung nachgegangen. Koffer Nummer eins war ohne lebendigen Inhalt fertig entleert, genauso wie Nummer zwei und die Reisetasche. Als jetzt alle meine Klamotten vor mir auf mehreren relativ großen Bergen vor mir lagen, wurde mir (mehr oder weniger) plötzlich bewusst, dass diese Textilien alles sind, was ich momentan habe. Meine Kleidung, die zum größten Teil aus H&M und ZARA besteht ist alles, was ich habe?! Das ist mein 'Hab und Gut'. Keine Wohnung, kein Auto, nur T-Shirts, Jeans und Schuhe. Nicht mein Keller, nicht mein zu Hause. Das war nicht mein Moment und trotzdem ein wichtiger Moment für mich. Nicht das, was ich von dieser Geschichte erwarte, dieser, meiner Geschichte. Meine Geschichte, meine Welt? Dann fing mein Kopf an zu arbeiten; dieser Keller ist nicht meine Welt, er ist nicht Berlin, er ist nur Pichelsberg. In diesem Keller hat sich meine Welt verändert. Ich finde mich alleine in dieser Welt wieder. Und dabei vergesse ich manchmal, dass meine Welt nicht DIE Realität ist, nein, sie sollte nicht einmal meine Realität sein. Denn wir wissen, die Realität hat viel mehr zu bieten, als das, als diesen Keller. Hier gibt es keine Umwelt, kein Umfeld, es gab nur eine Spitzmaus, die mich aufgeweckt hat, die mich sogar wieder ein Stück in die Realität geschubst hat. Also habe ich meine Koffer und meine Taschen wieder eingepackt und sie zu gemacht, den Keller aufgeräumt und mich dazu entschlossen, dieses Kapitel baldmöglichst zu abzuschließen, damit wir fortfahren können in der Geschichte, damit diese Geschichte an Geschwindigkeit gewinnt und damit der Keller ein Keller bleibt und nicht zu einer Welt wird, denn dieser Keller ist nicht mein zu Hause...

Mittwoch ist der Tag meiner Operation. Endlich sehe ich ein Leben vor mir, indem ich durch die Nase atmen kann, ohne Dauerschnupfen, ohne tausend Taschentücher, ohne zehn Mal hintereinander niesen. Drei Tage Krankenhaus, eine Polypenentfernung, das 'Wegkrazten' von entzündetem Gewebe und die Begradigung meiner Nasenscheidewand liegen vor mir. Und natürlich eine Verbesserung meiner Lebensqualität. Und dann noch die Vollnarkose. All das passiert im Parksanatorium Dahlem. Was mich wirklich nicht in Euphorie ausbrechen lässt... Das ist kein Ort, wo man operiert wird! Das ist kein Krankenhaus! Verdammt, das ist ein Schloss in dem Sissi wohnen sollte. Im Parksanatorium spukt es sicherlich; sämtliche Alarmglocken hätten alleine schon bei diesem Namen angehen sollen. Aber ich war wahrscheinlich zu sehr in meiner Kellerwelt vertieft. Zusammengefasst: In der Nähe der Ortschaft Schmargendorf steht das Schloss-Sanatorium. Will damit wirklich sagen: Diese Operation steht unter dem Motto "From Pichelsberg to Schmargendorf". Was schlimmer ist, darf ich mir wohl aussuchen. Bleibt festzuhalten: Spätestens am Donnerstag werde ich mit Tampons in der Nase aufwachen. Hoffentlich nicht in dem Sanatoriums-Keller ....




Ich freue mich schon, von Neuen Abenteuern und Erkenntnissen berichten zu drüfen!
J.

Freitag, März 05, 2010

der Fremde

Hauptstadt. Großstadt. Metropole. Eine eigene Welt. Berlin hat viele Namen, viele Bezeichnungen. Berlin hat viele Facetten und Gesichter. Und langsam verstehe ich auch die Textzeilen von Peter Fox. "..Berlin du kannst so hässlich sein, so dreckig und grau, du kannst so schön schrecklich sein, deine Nächte fressen mich auf..." Naja, die Berlinernächte lerne ich dank Buffi und Co gerade erst kennen, aber den Rest meine ich schon, zum Teil unterschreiben zu können. Berlin, du kannst wirklich hässlich sein. Vor allem dann, wenn du einem nichts gönnst. Du bist dreckig, da gibts keine Widerrede. Deine Grautöne lockern sich ja zum Glück langsam auf. Ich sehe hier mal ein paar Blautöne und da eine Nuance Sonnenlicht! Es wird also, in diesem Punkt. Das sollte aber auch werden, Berlin, du warst lange genug grau in grau, dein weißer Schnee wurde schwarz und blieb es viel zu lange! Aber Herr Fox hat Recht! Du bist schön schrecklich und schrecklich schön. Ich bereue meinen Umzug immernoch nicht. Du wirst mich nicht so leicht auffressen können, ich bekomme dir nicht, glaube mir. Die Traumvorstellung von Berlin schwindet allmählich dahin, aber wie wir wissen, bleibt am Schluss immer ein Funken vom Zauber übrig...

Ich bin Berlin immernoch fremd. Es ist nicht der Ort, an dem man etwas bekommt, ohne etwas dafür zu geben; ohne streckenweise sogar aufzugeben. Berlin ist stark, stärker als manch ein Wille. Man mag hier vieles finden, aber lange nicht alles. Manchmal muss man wohl über Scherben und heißen Kohlen laufen, denn Berlin macht es einem nicht gerne einfach. Wahrscheinlich ist hier wenig Platz für übergroße Traumschlösser, dafür ist umso mehr Freiraum für Fehler. Berlin lebt von den Fehlern der Anderen, das hat es schon immer - vermutlich. Diese Stadt muss einen hohen Grad an Schadenfrohheit in der Luft haben.
Berlin ist so viel, aber keine Lebensversicherung. Ich habe schon einige Male den Satz "Berlin bindet" gehört oder gelesen. Ich sehe das nicht kommen. Für mich ist Berlin nicht für immer, Berlin ist eine von vielen Etappen. Eine Art Zwecksehe. Schließlich gehen wir so gut wie jeden Tag eine Zwecksehe mit irgendwem/irgendwas ein. Fressen oder gefressen werden. Berlin soll mein Mittel zum Zweck werden. Aber weil hier alles [noch] viel größer ist, als ich, muss ich an den Fehlern, die noch auf mich zukommen werden, an den Niederlagen, die mir bevorstehen, die langen, schwarzen Nächte und die einsamen Morgen danach wachsen und stärker werden. Wir alle müssen irgendwann stärker werden. Der Leitsatz "Was einen nicht umbringt, macht einen stärker" erfüllt somit total seine Funktion und sollte immer öfter richtungsweisend sein. Wirklich! Berlin schenkt einem nichts, aber Berlin lässt einen lernen, sehr viel lernen. Im Ende wird das weitaus besser sein, als Geschenke, die vergehen. Berlin - keine Lebensversicherung, aber durchaus der erste Grundbaustein zur Altersvorsorge...
Berlin will jeden auf die Probe stellen. Vielleicht auf eine, vielleicht auf zwei, ich weiss es nicht. Berlin will Maßstäbe setzen, will, dass Fremde fremd bleiben, will dass wir uns verlaufen, will dass wir an den vielen Abzweigungen scheitern. Berlin will, dass wir die Probe bestehen, will, dass aus dem Fremden Freunde werden, will, dass wir uns verirren um zu merken, dass die 'falsche' Abzweigung nicht so falsch war. Berlin spielt mit uns, Berlin benutzt mal Anführungszeichen, mal nicht. Finde ich diese Stadt tückisch? Ja. Versuche ich sie zu verstehen? Ja, sicher. Gelingt es mir? Nein. Dieser rohe, ehrlich falscher Ort ist nicht das, was ich mir vorgetsellt habe. Es ist nicht das, was ich vorhatte, nicht das, was ich wollte aber auch nicht das, was ich nicht wollte. Obwohl Berlin nicht so ist, wie wir es wollen, kann es irgendwann zu unserem, zu Deinem und auch zu meinem Berlin werden. Mit jedem tag aufs Neue, mit jeder Woche ein wenig mehr. Doch wirklich verstehen werde ich diese Stadt nie! Da bin ich mir sicher, darauf trinke ich einen... vielleicht schon dieses Wochenende.

  • kuzes persönliches Update +++
    Ich hasse mein Handy, LG ist nicht empfehlenswert. Ich bin nicht erreichbar und kann nicht erreichen, ich  hasse Vodafone. In 13 Tagen habe ich eine OP (wann anders mehr dazu!), ich suche und finde (!) einen zweiten Job, einen Praktikumsplatz und einen Platz zum wohnen, einen Platz wo ich morgens Berlin sehe! Der März geht noch 26 Tage. Nichts ist unmöglich, alles ist irgendwie machbar...

Hauptstadt. Großstadt. Metropole. Eine eigene Welt. Berlin ist vieles, aber Berlin ist nicht so, wie du es Dir vorstellst!



...ich schon!
Du auch, Berlin?

Sonntag, Februar 28, 2010

der Überraschungsgast

Der Letzte Februartag geht zu Ende. Gestern hatte meine Mutter Geburtstag und ich war eines der vielen Geschenke. Ich war das größte Geschenk, das schwerste und das überraschendste. Mit einer blauen Schleife stand ich vor unserer Tür, um mal ganz spontan vorbei zuschauen. Mission geglückt. Für 15€ nach Stuttgart fahren zu können, ist definitiv die billigste Variante, von allen. Da stört es weniger, wenn das Auto sehr eng war, und man länger brauchte, als die Male davor. Ich bin heilfroh, dass es die Mitfahrzentrale gibt und bin sogar der Meinung, dass jeder, der ein auto hat, mal andere für wenig geld mitnehmen sollte. Das ist ja nur was Positives - für alle Beteiligten! Aber gut, der Geburstag war auf jeden Fall echt schön. Auch wenn ich nur zwei einhalb Tage hatte, hat mir diese kurze Zeit wirklich gut getan. Freunde und Familie wieder zusehen gibt einem den Aufschwung, den man manchmal braucht. Ich bin mir bewusst, dass morgen der März beginnt und dass die Dinge schnell (und nicht langsam) ins Rollen kommen sollten. Das soll mein letzter Monar im Keller werden. Im April will ich das Fenster aufmachen und Berlin sehen, nicht Kellerrohre. Für die Wintermonate war das schön, gut und völlig akzeptabel, aber letztendlich ist das eine vorrübergehende und temporäre Situation. Jetzt muss das Leben weiter und vorangehen. Ich habe 30 Tage Zeit (Morgen bin ich den halben Tag im Auto, also fällt der schonmal weg) um mich ins nächste Level zu bringen. Das wird betsimmt keine leichte Aufgabe, aber mir werden die Ziele, die ich anpeile langsam deutlicher, die Sicht klart sich auf.

In Berlin ist die bis zu 10cm dicke Eisschicht, die den eigentlichen Boden versteckte, zum größten Teil abgeschmolzen. Jetzt taucht unter der einstigen Oberfläche der ganze Dreck von Silvester und den Tagen, wo der erste Schnee fiel wieder auf. Der Müll dominiert die Berliner Fußgängerzonen. Das alles erscheint mir, wie eine Art von Phänomen. Die Dinge (in diesem Fall der Müll) die vom Schnee versteckt worden sind und somit für uns nicht zu sehen waren, die nicht wahrgenommen worden sind, diese Dinge tauchen mit dem Schmilzen des Eises wieder auf, sie kommen an die Oberfläche und werden somit wahrgenommen. In den Wintermonaten war meine Klarsicht und vllt sogar mein Erhgeiz auch von einer 'Eisschicht' teilweise eingeschlossen. Ich taue langsam auf. Dinge werden deutlicher und der Fokus kommt wieder. Die Gründe für meinen Umzug werden mir wieder klarer vor Augen geführt und dieses Phänomen tut mir gut. Es gibt Antrieb und es weckt den Ehrgeiz aus dem Winterschlaf. Das, was in der Luft liegt, regt meinen Kreislauf an. Vitalität beginnt sich in meinen Adern auszubreiten und meine Augen lassen sich leichter öffnen. Ich glaube, dass dieses Phänomen sich Frühling nennt!

Selbst wenn es nochmal schneien sollte, wovon ich (stark?) ausgehe, der Fühling lässt sich nicht mehr aufhalten. Er wird kommen, er ist am Kommen, so wie jedes Jahr aufs Neue. Jetzt liegt es an uns, die Geschichte weiter zu schreiben, neue Maßstäbe zu setzen und die Richtung anzugeben. Wenn das Schmilzen des Schnees und des Eises und die Verbesserung des Wetters in mir - und vielleicht auch in vielen anderen Menschen - diese Gefühle hervorgerufen hat, wie wird es dann erst, wenn das Wetter immer besser wird, die Tage wieder länger werden und der nette Sturm von diesem Wochenende uns die Köpfe freugepustet hat? Wir haben doch alle genügen Gründe, gespannt zu sein ;)
Dieses Wochenende war wirklich positiv und hilfreich. Ein klein Wenig konnte ich abschalten und mir trotzdem über manche Dinge ziemlich gut Gedanken machen. Die Gespräche mit Freunden haben mir gefehlt und mir sehr gut getan! Meine Mutter und meinen Bruder zusehen war auch sehr schön. Und ich habe sogar Berlin vermisst. Man merkt also, dass die Entscheidung, diesen Schritt zugehen, nicht so falsch war, wie er doch so oft schien. Mein vermeintlicher Überraschungsgast ist die Einsicht. Es war klar, dass der Frühling kommen wird, er ist keine Überraschung, nur eine Frage der Zeit. Die Einsicht dagegen ist mehr Überraschung als Selbstverständlichkeit! Ich bin froh darüber, dass mit den ersten Plusgraden und Sonnenstraheln die Einsicht in mir geweckt wurde...



 
 today is where my book begins - today is every day

Dienstag, Februar 23, 2010

der Schnupfen

Hamburger Mediziner haben festgestellt, dass Pessimisten eher Schnupfen haben, als optimistisch eingestellte Menschen. Negativ denkende Menschen haben demnach ein schwächeres Immunsystem, da sie sich selbst unter mehr Stress stellen. Kurz gesagt: Optmimisten haben die Nase noch lange nicht voll! Ich schon. Naja, ich bin ja auch nur Teilzeitoptimist - und das auch erst seit Kurzem! Aber das soll dieses Mal nicht der ausschlaggebende Punkt für meine gesrichen volle Nase sein. Seit gefühlten 18 Jahren leide ich an einem mal stärker und mal schwächer auftretenden Dauerschnupfen. Im Sommer und im Winter, bei Tag und bei Nacht, angezogen oder beinahe nackt. Der Schnupfen ist immer da und will auch gar nicht weg. Es scheint, dass ich mittlerweile sogar schon verlernt habe, durch die Nase zu atmen. Wie auch immer, mein Schnupfen und ich: ein unzertrennliches Team. Vergesst bitte Tim und Struppi oder Columbo und seinen gammligen Trenchcoat. Mein Schnupfen is "way cooler" als all diese anderen Traumduos. Und gerade weil das so ist, muss irgendwann einmal Schluss sein. Sogar die Wege von Thomas Anders und dem Herrn Bohlen haben sich getrennt. Und es klappt trotzdem. Also lieber Schnupfen, nicht heiß geliebt, aber bald eiskalt vertrieben, ich zeige dir jetzt endlich die rote Karte und weise dich in deine Schranken. In voraussichtlich zwei Wochen werden diese scheiß Polypen endlich aus meiner Nase entfernt sein. Ich hoffe inständig in Vollnarkose. Das wird also mein erster schnupfenfreie Sommer seit langer, langer Zeit :) Juhu, Daumen hoch!

der Sehtest

Ich dachte, ich sehe nicht richtig. Tue ich aber tatsächlich doch! Meine Sehkraft liegt bei 90% und damit brauche ich keine neue, stärkere Brille. Warum sehe ich dann trotzdem so viele Dinge unscharf und verschwommen? Liegt es an meinen Augen oder doch an mir?! Sehen wir nur, was wir sehen wollen und nicht, was wirklich vor uns passiert? Laut der furchtbar netten Augenärztin sind meine Augen kerngesund. Mein Inneres hat sie bei der Untersuchung weniger bis gar nicht interessiert. Sie ist ja auch eine Augenärztin. Meine Augen sind gesund, meine Sehnerven auch, meine Wahrnehmung ist teilweise getrübt. Ich sehe zwar nicht, aber ich merke, dass ich bei vielen Dingen einfach die Augen vershcließe und auf Wunder warte, die von alleine nicht kommen werde. Ich setze einfach meine Scheuklappen auf - das geht leider wirklich ziemlich einfach - und warte. Fast blind laufe ich durch die Straßen, anstatt meine gesunden Augen zu nutzen, um die Welt um mich herum besser wahrzunehmen. Täte ich das, würde ich die Chancen, die sich ergeben vielleicht viel deutlicher sehen und könnte gezielter handeln.
Ich versuche zu sagen: Wennw ir unsere Augen auch mal wirklich nutzen würden, würden wir die Stolpersteine sehen. Wir könnten ihnen aus dem Weg gehen. Wenn wir unsere Augen nutzen würden, würden wir nach links und nach rechts schauen und auch mal eine Abzweigung sehen und diese an Stelle des Weges nehmen, vllt ist sie der eigentliche Weg. Wir nutzen unsere Augen zu wenig. Der Sehsinn ist der wichtigste Sinn überhaupt. Und trotzdem schaffen es die meisten nicht, ihn im vollen Umfang zu nutzen. Ich am aller wenigstens. Genau genommen bin ich denkbar ungeeignet, um Tipps zu geben, wie man seine Augen nutzen könnte. Aber in diesen Zeiten wird mir von tag zu Tag mehr klar, dass ich MEINE Augen nutzen will. Mit jedem Tag bin ich der Entscheidung näher, öfter nach links und nach recht zu blicken, um meinen Sehwinkel zu erweitern. Ich will in den Himmel schauen und trotzdem mitbekommen, was auf dem Boden passiert...

Das bedeutet Arbeit. Ich muss daran arbeiten, meine Augen richtig und bestmöglich zu benutzen; also muss ich an mir arbeiten. Das habe ich vor. Mit jedem Tag in Berlin, dan dem die Temperatur langsam steigt, steigt auch die Motivation und der Wille zu arbeiten - an mir, an den Umständen, in denen ich momentan lebe, an meinen Möglichkeiten und auch ein Stückchen an der Welt. Weit ausgeholt? Unmöglich? Nein, ich denke, es ist machbar! Ich werde am Beweis arbeiten...


 
 
hier und da komm' ich auf die Idee, einen anderen Weg zu gehn'

Montag, Februar 15, 2010

der Valentin

Ich liebe kotzende Menschen. Ich hasse Pfützen. Jetzt stellt sich mir die Frage, ob das Eine ohne das Andere nicht geht? Kotzende Menschen hinterlassen nun mal Pfützen. Aber trotzdem liebe ich die allermeisten Kotzenden. Als ich am Freitag in eine riesengroße, tiefe, dunkle, kalte Pfütze getreten bin, fiel es mir wie Schuppen von den Augen (wieso auch immer sie nicht von den Haaren fallen): Pfützen sind mein Natürlicher Feind. Sie besitzen die besondere Fähigkeit, mich magisch anzuziehen. Ich ziehe Chucks an und die Pfützen ziehen mich an, beziehungsweise runter. Nachdem mein rechter Fuß bis auf die Knochen nass war und ich voller Wut beginnen wollte, die Pfütze zu verfluchen, war mein linker Fuß auch nicht mehr trocken. Nicht nur, dass die Pfützen in Berlin tief sind, nein, sie sind auch noch groß und unerkennbar. Was definitiv ihr Vorteil ist. Ich trete selbstverständlich nicht freiwillig in eine Riesenpfütze, aber wenn ich sie nicht sehe, weil überall Matsch-Schnee liegt, sind die Pfützen in ihrer natürlichen Umgebung klar im Vorteil. Der Pfützenvorfall von vorgestern war nur noch die Krönung eines durchwegs ungelungenen Tages. Meinte ich! Denn zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ich 1 Stunde lang 'einfach so' S-Bahn fahren würde. Ich hatte meinen Schlüssel vergessen und stand vor einem verschlossenen Haus, ich konnte nicht in meinen Keller. Mit nassen Schuhen, nassen Socken und nassen Füßen, einem geläuerten Geist und ohne Schlüssel musste ich nach einer Möglichkeit fahnden, mich warm zu halten. So warm, wie es geht, wenn es Minusgrade hat und es überall von kalten Pfützen wimmelt. Einzige Möglichkeit? Die Berliner S-Bahn oder auch die Unpünktlichkeit namens "S75". Wie gut, dass ich seit geraumer Zeit den Spaß am Lesen entdeckt habe. Wurden die Pflichtlektüren zur geliebten Schulzeit einfach beiseite gelegt und man hat auf "gut Glück" seine guten Noten über Josef K. und Michael Kohlhaas geschrieben, habe ich in der S-Bahn nach meinen mittlerweile fertig gelesenen Buch gegriffen. Thema ist Karma. Ich hab meiner Meinung nach einiges an schlechtem Karma. Sollte mich nicht weiter stören, da ich nicht vorhabe in nächster Zeit zu sterben. Passieren kann aber alles. Also sollte ich wohl besser mit dem Sammeln von gutem Karma beginnen. Gesagt getan. vorgestern habe ich einem Mann geholfen, sein Auto zum Fahren zu bringen. Dabei bin ich zwar dreckig geworden, aber was tut man nicht alles im Sinne der Nächstenliebe? Was mich auf die Bibel bringt, die mich dann wiederrum zur Kirche bringt.
Ich arbeite seit 4 Jahren ehrenamtlich für verschiedene Projekte in 3 Kirchengemeinden in Stuttgart. Mein gutes Karma im Spar-Abo. Anscheinend hat das gute Kirchen-Karma aber nicht für einen Studienplatz gereicht. Was ich entweder akzeptieren könnte und daraufhin meinen Kopf in den Sand stecken könnte, was allerdings verhindert, jemals wieder kotzende Menschen zu sehen, ODER ich akzeptiere diese Fügung des Schicksals nicht und gehe in die Offensive. Nach 3h Intensiv-Heulen und die nicht ansehnlichen Folgen habe ich mich für Option 2 entschieden. Dieses Mal bringt das ganze Heulen und Gejammer nichts. Ich muss zu anderen Mitteln greifen. Manchmal sollte uns klar werden, dass von Heulen nichts besser wird. Und von dem ganzen Hoffen und Wollen auch nicht. Ich habe gehofft, ich wollte und will immernoch, aber gewisse Situationen erfordern gewisse Angehensweisen. Wenn es sein muss, gehe ich vor Gericht, ist mir scheiß egal. Ich werde ab diesen April studieren. Wer zuletz lacht, lacht am besten, liebes Schicksal. In diesem Sinne bin ich ganz darauf eingestellt, meine Ellenbogen auszufahren. Vielleicht ist mir das zu langsam bewusst geworden, aber besser zu spät als nie.

Freitag hatte ich also - zusammengefasst - nasse Füße, verheulte Augen, schlechte Laune, keine Studienzusage und ein Ticket für die Premiere von "My Name Is Khan" auf der Berlinale. Mein "Ich hasse mein Leben"-Tag endete also tatsächlich auf dem roten Teppich vor dem Berlinale Palast und anschließend in einem schlechten, indischen Film mit Sharuk Khan, der in der Reihe hinter mir saß. In diesem Moment dachte ich mir, was das eigenlich alles soll?! Liegen Pech und Glück so nahe bei einander, hatte ich Glück vor dem berühmten Inder zu sitzen, hatte ich den ganzen Tag Pech oder ist das alles Auslegungssache und es gibt weder das Pech noch das Glück sondern nur glückliche und weniger glückliche Zufälle? Ich weiß das zwar noch nicht, aber mir diese Frage zu beantworten steht auf der Prioritätenliste sehr weit oben. Mit dem Pech ist jetzt jedenfalls vorbei. Das letze Wort ist noch nicht besprochen und ich habe nen großen, schwarzen Edding, den ich einsetzen werde, um dem Schicksal, dem Pech, dem Zufall, wem oder was auch immer einen fetten Strich durch die Rechnung zu machen. Aufgeben und Einstecken steht nämlich auf keiner Prioritätenliste. Definitiv nicht. Immer mehr wird mir klar, dass es einen Grund geben muss, warum das Leben nicht einfach ist, dass an dem Ponnyhof-Spruch was dran ist und dass Probleme dazu da sind, um sie zu lösen. Also lasst uns auf die Barrikaden gehen und für unsere Träume und Ziele kämpfen. Keiner sagt, dass es einfach werden wird, keiner sagt, dass wir sofort gewinnen, aber am Ende werden wir irgendwann mit mehr dastehen - lasst uns sicher sein!

Eigentlich sollte es einfach sein: all das, was uns jetzt stärker machen wird, uns Kraft gibt, uns unseren Kampfgeist wecken lässt und uns Durchhaltevermögen einhaucht, all das sollten und werden wir selbst sein. Wir verabschieden uns von schlechten Gedanken, akzeptieren unser Leben als Baustelle, an der wir jeden Tag arbeiten können und treten aufs Gaspedal (auch ohne Führerschein). Party hard.
Ich sah also vorgestern in der U-Bahn und an der Haltestelle gleich mehrere junge, kotzende Menschen. Ich liebte sie. Kotzende Menschen befreien sich von dem, was Ihnen schwer im Magen liegt. Danach geht es ihnen meistens besser. Theoretisch gesehen ist Kotzen also was Gutes. Wie auch immer, ich liebe kotzende Menschen und hasse Pfützen. Die kotzenden Menschen, denen ich begegnet bin, haben aber Pfützen hinterlassen. Das bringt mich abschließend also wieder zum Anfang. Das Eine scheint wohl ohne das Andere nicht zu gehen - in diesem Fall. Ich werde weiterhin kotzende Menschen lieben und Pfützen hassen. So ist das nun mal. Beides kann man aus dem Weg gehen, was ich hasse teilt Gemeinsamkeiten mit dem, was ich liebe. So ist das auch. Karma ist auch was für Christen, es kann ohne Waffen gekämpft werden, Sharuk Khan ist kein guter Schauspieler und jeder sollte das Recht auf einen Studienplatz haben. Ich habe den Valentinstag verschlafen :) Daumen hoch!




"They say that time changes things, 
but you actually have to change them yourself."
- Andy Warhol

Montag, Februar 01, 2010

der Februar

Und schon wieder ist ein Monat vorbei. Sonst war ich der Meinung, dass der Januar sich immer so endlos in die Länge zieht. Ich konnte den Januar nie wirklich ausstehen. Der Dezember war immer so schnell vorbei und der Januar, bekannt als erster Monat des neuen Jahres, zog sich wie ein Kaugummi. Aber dieses Jahr ist (wie sollte es auch anders sein?) alles nicht so, wie sonst. Auf einmal ist der Januar vorbei. Da habe ich mich gerade erst an 2010 gewöhnt - ich weiß übrigens immernoch nicht wirklich, wie man das Datum schreibt; einfach eine '10' oder eher '010' - und meinte, man könne sich auf den langwierigen Januar verlassen und siehe da: es ist Februar.
Beudeutet das jetzt, dass wenn ich das nächste Mal aufwache, es schon Mai ist? Schon Sommer ist? Sicher nicht, aber die Zeit geht vorbei, wie im Fluge. Da jettet man mal für 2 Tage nach Mailand, schaut sich den Dom an und shoppt ein wenig, beginnt sich allmählich an das nicht besser werdende Wetter zu gewöhnen, sieht über die Schneeberge in ganz Berlin hinweg und findet sich mi der Situation ab, dass alles "irgendwie" schon weitergehen wird. Ich bin natürlich froh, dass schon Februar ist. Vielleicht leben wir bald alle wieder auf der Sonnenseite, aber was mich gewaltig stört ist, dass die Tage wegrennen, das Ziel aber in weiter Ferne liegt. Da muss doch irgendwo ein Missverständnis vorliegen! Meiner Meinung nach passt da etwas nicht zusammen. Der Fortschritt der Zeit ist nicht propertional zu dem Fortschritt der Ereignisse, in meinem Leben. Das gefällt mir nicht wirklich. Alles ändert sich und die veränderungsträchtigen Dinge bleiben gleich. So sollte das alles nicht ablaufen...

Gefühlte 100 Wohnungsbesichtigungen später lebe ich auch im Februar in einem Schlotterburger-Keller. Nach weiteren 28 Nächten sollen die Keller-Tage allerdings gezählt sein. Irgendwo in Berlin muss es eine Wohnung ohne Durchgangszimmer geben, in der 4 Menschen zusammen leben können. Andere haben das doch auch geschafft, wieso dann wir nicht? Ich will sicher nicht (wieder) pessimistisch werden, aber so schwer habe ich mir das nicht vorgestellt. Was ich sagen will, das Limit ist demnächst erreicht. Was ich auch dazu sagen muss: das alles heißt ja letzendlich einzig und allein eines, nämlich weiter suchen! Und zwar solange, bis wir DIE Wohnung gefunden haben. Trotz der ganzen Wohnungsnieten hab ich's im Blut: bald ist die beste Bleibe gefunden und TSLJ sind einzugsbereit. Ich erwarte eine Steigerung und ich werde dafür sorgen, dass es endlich vorangeht. Die Uhr belibt nicht stehen, die Situation ist momentan noch im Stillstand. Aber wie wir schon wissen - kein Stillstand ist für immer. Könnten sich die ganzen Menschen, die einem immer und immer wieder sagen, dass alles besser wird, dass alles seine Zeit braucht; könnten sich all diese Leute wirklich irren? Alle auf ein Mal? Gibt es nur eine Hand voll Menschen, die geschafft haben, was sie schaffen wollten und sind das dann die ausgesiebten Positivbeispiele und der Rest (zu dem ich mich noch zähle) schaut zu ihnen auf und bildet sich auf Basis von vorher aufgelisteten Zusprüchen ein, dass er es auch schaffen kann, ist aber von der Realität weit entfernt? Nein! Natürlich kann der Glaube alleine keine Berge versetzen und der Wille in uns etwas zu ändern wird uns nicht von alleine weiterbringen. Aber man werfe Willen, Glauben, Zuversicht, Ehrgeiz in einen großen Topf, man erhitze ihn mit harter Arbeit und man würze ihn mit ein wenig gesunder Naivität und einer Prise Hoffnung. Man rühre stetig um, die Masse muss ständig in Bewegung bleiben und siehe da: nach unbestimmter Zeit passieren ganz plötzlich (und manchmal vielleicht sogar, wenn man sie am wenigstens erwartet) diese kleinen Wunder, von denen man sich erzählt. Und wenn das passieren wird, sind wir nicht nur ein guter Koch, nein wir könnten sogar unseres Glückes Schmied werden. Hoffentlich gibt es jetzt viele rauchende Köpfe, die ihr persönliches Rezept zusammenbasteln und endlich anfangen zu kochen. Weil das Leben im Großen und Ganzen doch gar nicht so bitter ist. "When life gives you lemons, make orange juice, sit back, relax, and watch the world wonder how you did it."
Der Februar steht in diesem Sinne also ganz im Zeichen von Fortschritt, Optimismus und angehende Kochprofis. Weil ich ab sofort mit dem Kochen anfange, weil ich bald von wahrgewordenen Träumen, kleinen Wundern und alltägliche Erfolgsgschichten berichten werde, weil ich bald Rauchzeichen an andere senden werde, um ihnen mit ungelogenen, selbst erlebten Ratschlägen weiter zu helfen, weil ich die Welt bald von Wolke 7 aus betrachten werde und bald meine Tagebucheinträge von meinem Schreibtisch in meinem WG-Zimmer aus schreiben werde, [fast]welches übrigens immer aufgeräumt sein wird ;) [/fast]

Auf dass der kurze Februar viele Überraschungen mit sich bringt, auf dass wir lernen, nach den Sternen zu greifen und auf alles, was vor uns liegt...



Montag, Januar 18, 2010

der Kaputt-Input

Gestern Abend um circa 19:38h ist meine Digitalkamera kaputt gegangen. Die Geschichte beginnt aber am 27.04.2007 - an meinem 16. Geburtstag. An diesem Tag habe ich eine Digitalkamera bekommen. Meine erste Digitalkamera. Auf den Tag genau ein Jahr später, am 27.04.2008 wurde mir diese Kamera gestohlen. Bis heute weiß ich weder WER mir die Kamera gestohlen hat noch WIE er das angestellt hat. Okay, wie könnte ich mir theoretisch gesehen noch vorstellen. Wenn man sich so oder so nicht an Geschehenes erinnern kann, sollte ich mir den Vorgang des Diebstahls denken können. Wie auch immer, ich habe circa ein halbes Jahr nach der Trennung von meiner ersten Digitalkamera und mir eine neue bekommen. Das Nachfolgemodell. Wunderbar, meine Digitalkamera-Welt schien wieder in bester Ordnung zu sein. Aber genau 2 Monate später (das muss nach Weihnachten 2008 gewesen sein) ist meine zweite Kamera laputt gegangen. Ich muss sie versehentlich gegen einen Schrank geschlagen haben. Auf jeden fall ging sie nicht mehr an. Ich war also wieder kameralos. Mein Leben verlief ohne "Cam" geregelt weiter. Bis Weihnachten 2009. Ich bekam meine dritte Digitalkamera geschenkt. Ich war eiegentlich nicht begeistert, weil ich meine alte schon die ganze Zeit einschicken wollte, damit man sie mir reparieren mag. Wenn man aber eine neue bekommt, wieso sie nicht annehmen? Also war ich zufrieden. Hätte ich doch nur gewusst, dass das Schicksal mir das Haben einer Digitalkamera nicht gönnt. Gestern ist im Ernst der Lage (wo wir übrigens wieder am Anfang wären, der ja eigentlich das Ende ist) diese verdammte Kamera EINFACH SO(!) kaputt gegangen. Ich meine, WTF? Ich hab sie angemacht, wollte ein Foto machen, es klappte, ich wollte es anschauen und auf einmal geht das Display aus und jetzt geht sie nicht mehr. KA-PU-TT.

Nicht nur das ist nicht mehr heile, heile. Meine Füße sind am Arsch, sie sind kaputt. Abgesehen davon, dass ich wohl die hässlichsten Füße der Welt habe, tun sie höllisch weh. 3 Paar Socken, eins davon richtig dick aus Winterwolle, in Schuhe reingepresst, und dann von 8:00h bis 14:00h bei P&C arbeiten. Das macht meinen Füßen keinen Spass. Mir aber. Ich bin echt froh, wieder mal arbeiten gewesen zu sein. Auf das ich einen regelmäßigen Arbeitsalltag erhalten werde... Liebes Schicksal, keine Kamera aber dafür bitte Arbeit :)
Da fällt mir ein, meine Mutter wird meine aktuelle kaputte Kamera wieder umtauschen und meine alte kaputte Kamera einschicken. Laut Adam Riese darf eine kaputte Kamera nicht nochmal kaputt gehen (das meine ich mal einfach so), ich trickse das Schicksal aus und hab am Ende eine funktionierende Kamera. Meine Gleichung muss nur aufgehen.

Eiegentlich sollte ich heute noch eine Wohnung mit meinen lieben WEH-GEH-LEUTEN besichtigt haben, aber der Hausmeister hat abgesagt, wir sollen doch bitte morgen vorbeischauen. Gestern, als wir zu dritt (plus jemand, der nicht zur 'WG' gehört) da waren, wollte er den Mietvertrag gar nicht schnell genug unterschrieben haben. Die Wohnung ist wirklich sehr geil. 4 Zimmer, 2 Bäder, Maisonette, 2 Eingänge, 1 größe Küche in Friedrichshain. 5 Minuten von der Oberbaumbrücke und der Warschauerstraße entfernt. Ich könnt ja schon beinahe heulen vor Freude. Wenn nur nicht eines der Zimmer so klein wäre. So klein, dass keiner drin wohnen wollen würde. Scheisse :( Daher bin ich mir sicher, dass wir wieder weiter suchen müssen. Ich hoffe nur, dass das was wird. Ich zweifle momentan aber ziemlich stark daran. Morgen um 9:00h wieder eine Besichtigung, aber ich sehe schwarz. So schwarz wie der ekelhafte, schwarze Straßenrandschnee. Vielleicht soll das alles in Berlin nicht so klappen, wie ich es gerne hätte. Wann klappt denn auch mal was zu meinen Gunsten? Vielleicht demnächst. Es mag zwar vieles kaputt sein, manches mehr und das andere Manches weniger, aber tief in meinem Inneren appeliere ich doch noch auf die eine, kleine, feine Option, dass man kaputte Sachen eventuell wieder reparieren kann. Es muss nur der Input stimmen. Und diesen Input kann man durchaus stummig machen. Heute ist nicht aller Tage, da hat der rosarote Panther nicht ganz Unrecht!! Die Welt kann morgen schon ganz anders aussehen - also das wird sie mit Sicherheit. Ganz vielleicht sogar ein bisschen besser...




 Weil ich Berlin nur liebe, wenn Berlin mir hilft.
...und weil ich trotzdem weiß, dass es auf den richtigen Input ankommt ;)