Sonntag, Februar 28, 2010

der Überraschungsgast

Der Letzte Februartag geht zu Ende. Gestern hatte meine Mutter Geburtstag und ich war eines der vielen Geschenke. Ich war das größte Geschenk, das schwerste und das überraschendste. Mit einer blauen Schleife stand ich vor unserer Tür, um mal ganz spontan vorbei zuschauen. Mission geglückt. Für 15€ nach Stuttgart fahren zu können, ist definitiv die billigste Variante, von allen. Da stört es weniger, wenn das Auto sehr eng war, und man länger brauchte, als die Male davor. Ich bin heilfroh, dass es die Mitfahrzentrale gibt und bin sogar der Meinung, dass jeder, der ein auto hat, mal andere für wenig geld mitnehmen sollte. Das ist ja nur was Positives - für alle Beteiligten! Aber gut, der Geburstag war auf jeden Fall echt schön. Auch wenn ich nur zwei einhalb Tage hatte, hat mir diese kurze Zeit wirklich gut getan. Freunde und Familie wieder zusehen gibt einem den Aufschwung, den man manchmal braucht. Ich bin mir bewusst, dass morgen der März beginnt und dass die Dinge schnell (und nicht langsam) ins Rollen kommen sollten. Das soll mein letzter Monar im Keller werden. Im April will ich das Fenster aufmachen und Berlin sehen, nicht Kellerrohre. Für die Wintermonate war das schön, gut und völlig akzeptabel, aber letztendlich ist das eine vorrübergehende und temporäre Situation. Jetzt muss das Leben weiter und vorangehen. Ich habe 30 Tage Zeit (Morgen bin ich den halben Tag im Auto, also fällt der schonmal weg) um mich ins nächste Level zu bringen. Das wird betsimmt keine leichte Aufgabe, aber mir werden die Ziele, die ich anpeile langsam deutlicher, die Sicht klart sich auf.

In Berlin ist die bis zu 10cm dicke Eisschicht, die den eigentlichen Boden versteckte, zum größten Teil abgeschmolzen. Jetzt taucht unter der einstigen Oberfläche der ganze Dreck von Silvester und den Tagen, wo der erste Schnee fiel wieder auf. Der Müll dominiert die Berliner Fußgängerzonen. Das alles erscheint mir, wie eine Art von Phänomen. Die Dinge (in diesem Fall der Müll) die vom Schnee versteckt worden sind und somit für uns nicht zu sehen waren, die nicht wahrgenommen worden sind, diese Dinge tauchen mit dem Schmilzen des Eises wieder auf, sie kommen an die Oberfläche und werden somit wahrgenommen. In den Wintermonaten war meine Klarsicht und vllt sogar mein Erhgeiz auch von einer 'Eisschicht' teilweise eingeschlossen. Ich taue langsam auf. Dinge werden deutlicher und der Fokus kommt wieder. Die Gründe für meinen Umzug werden mir wieder klarer vor Augen geführt und dieses Phänomen tut mir gut. Es gibt Antrieb und es weckt den Ehrgeiz aus dem Winterschlaf. Das, was in der Luft liegt, regt meinen Kreislauf an. Vitalität beginnt sich in meinen Adern auszubreiten und meine Augen lassen sich leichter öffnen. Ich glaube, dass dieses Phänomen sich Frühling nennt!

Selbst wenn es nochmal schneien sollte, wovon ich (stark?) ausgehe, der Fühling lässt sich nicht mehr aufhalten. Er wird kommen, er ist am Kommen, so wie jedes Jahr aufs Neue. Jetzt liegt es an uns, die Geschichte weiter zu schreiben, neue Maßstäbe zu setzen und die Richtung anzugeben. Wenn das Schmilzen des Schnees und des Eises und die Verbesserung des Wetters in mir - und vielleicht auch in vielen anderen Menschen - diese Gefühle hervorgerufen hat, wie wird es dann erst, wenn das Wetter immer besser wird, die Tage wieder länger werden und der nette Sturm von diesem Wochenende uns die Köpfe freugepustet hat? Wir haben doch alle genügen Gründe, gespannt zu sein ;)
Dieses Wochenende war wirklich positiv und hilfreich. Ein klein Wenig konnte ich abschalten und mir trotzdem über manche Dinge ziemlich gut Gedanken machen. Die Gespräche mit Freunden haben mir gefehlt und mir sehr gut getan! Meine Mutter und meinen Bruder zusehen war auch sehr schön. Und ich habe sogar Berlin vermisst. Man merkt also, dass die Entscheidung, diesen Schritt zugehen, nicht so falsch war, wie er doch so oft schien. Mein vermeintlicher Überraschungsgast ist die Einsicht. Es war klar, dass der Frühling kommen wird, er ist keine Überraschung, nur eine Frage der Zeit. Die Einsicht dagegen ist mehr Überraschung als Selbstverständlichkeit! Ich bin froh darüber, dass mit den ersten Plusgraden und Sonnenstraheln die Einsicht in mir geweckt wurde...



 
 today is where my book begins - today is every day

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