Montag, Februar 15, 2010

der Valentin

Ich liebe kotzende Menschen. Ich hasse Pfützen. Jetzt stellt sich mir die Frage, ob das Eine ohne das Andere nicht geht? Kotzende Menschen hinterlassen nun mal Pfützen. Aber trotzdem liebe ich die allermeisten Kotzenden. Als ich am Freitag in eine riesengroße, tiefe, dunkle, kalte Pfütze getreten bin, fiel es mir wie Schuppen von den Augen (wieso auch immer sie nicht von den Haaren fallen): Pfützen sind mein Natürlicher Feind. Sie besitzen die besondere Fähigkeit, mich magisch anzuziehen. Ich ziehe Chucks an und die Pfützen ziehen mich an, beziehungsweise runter. Nachdem mein rechter Fuß bis auf die Knochen nass war und ich voller Wut beginnen wollte, die Pfütze zu verfluchen, war mein linker Fuß auch nicht mehr trocken. Nicht nur, dass die Pfützen in Berlin tief sind, nein, sie sind auch noch groß und unerkennbar. Was definitiv ihr Vorteil ist. Ich trete selbstverständlich nicht freiwillig in eine Riesenpfütze, aber wenn ich sie nicht sehe, weil überall Matsch-Schnee liegt, sind die Pfützen in ihrer natürlichen Umgebung klar im Vorteil. Der Pfützenvorfall von vorgestern war nur noch die Krönung eines durchwegs ungelungenen Tages. Meinte ich! Denn zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ich 1 Stunde lang 'einfach so' S-Bahn fahren würde. Ich hatte meinen Schlüssel vergessen und stand vor einem verschlossenen Haus, ich konnte nicht in meinen Keller. Mit nassen Schuhen, nassen Socken und nassen Füßen, einem geläuerten Geist und ohne Schlüssel musste ich nach einer Möglichkeit fahnden, mich warm zu halten. So warm, wie es geht, wenn es Minusgrade hat und es überall von kalten Pfützen wimmelt. Einzige Möglichkeit? Die Berliner S-Bahn oder auch die Unpünktlichkeit namens "S75". Wie gut, dass ich seit geraumer Zeit den Spaß am Lesen entdeckt habe. Wurden die Pflichtlektüren zur geliebten Schulzeit einfach beiseite gelegt und man hat auf "gut Glück" seine guten Noten über Josef K. und Michael Kohlhaas geschrieben, habe ich in der S-Bahn nach meinen mittlerweile fertig gelesenen Buch gegriffen. Thema ist Karma. Ich hab meiner Meinung nach einiges an schlechtem Karma. Sollte mich nicht weiter stören, da ich nicht vorhabe in nächster Zeit zu sterben. Passieren kann aber alles. Also sollte ich wohl besser mit dem Sammeln von gutem Karma beginnen. Gesagt getan. vorgestern habe ich einem Mann geholfen, sein Auto zum Fahren zu bringen. Dabei bin ich zwar dreckig geworden, aber was tut man nicht alles im Sinne der Nächstenliebe? Was mich auf die Bibel bringt, die mich dann wiederrum zur Kirche bringt.
Ich arbeite seit 4 Jahren ehrenamtlich für verschiedene Projekte in 3 Kirchengemeinden in Stuttgart. Mein gutes Karma im Spar-Abo. Anscheinend hat das gute Kirchen-Karma aber nicht für einen Studienplatz gereicht. Was ich entweder akzeptieren könnte und daraufhin meinen Kopf in den Sand stecken könnte, was allerdings verhindert, jemals wieder kotzende Menschen zu sehen, ODER ich akzeptiere diese Fügung des Schicksals nicht und gehe in die Offensive. Nach 3h Intensiv-Heulen und die nicht ansehnlichen Folgen habe ich mich für Option 2 entschieden. Dieses Mal bringt das ganze Heulen und Gejammer nichts. Ich muss zu anderen Mitteln greifen. Manchmal sollte uns klar werden, dass von Heulen nichts besser wird. Und von dem ganzen Hoffen und Wollen auch nicht. Ich habe gehofft, ich wollte und will immernoch, aber gewisse Situationen erfordern gewisse Angehensweisen. Wenn es sein muss, gehe ich vor Gericht, ist mir scheiß egal. Ich werde ab diesen April studieren. Wer zuletz lacht, lacht am besten, liebes Schicksal. In diesem Sinne bin ich ganz darauf eingestellt, meine Ellenbogen auszufahren. Vielleicht ist mir das zu langsam bewusst geworden, aber besser zu spät als nie.

Freitag hatte ich also - zusammengefasst - nasse Füße, verheulte Augen, schlechte Laune, keine Studienzusage und ein Ticket für die Premiere von "My Name Is Khan" auf der Berlinale. Mein "Ich hasse mein Leben"-Tag endete also tatsächlich auf dem roten Teppich vor dem Berlinale Palast und anschließend in einem schlechten, indischen Film mit Sharuk Khan, der in der Reihe hinter mir saß. In diesem Moment dachte ich mir, was das eigenlich alles soll?! Liegen Pech und Glück so nahe bei einander, hatte ich Glück vor dem berühmten Inder zu sitzen, hatte ich den ganzen Tag Pech oder ist das alles Auslegungssache und es gibt weder das Pech noch das Glück sondern nur glückliche und weniger glückliche Zufälle? Ich weiß das zwar noch nicht, aber mir diese Frage zu beantworten steht auf der Prioritätenliste sehr weit oben. Mit dem Pech ist jetzt jedenfalls vorbei. Das letze Wort ist noch nicht besprochen und ich habe nen großen, schwarzen Edding, den ich einsetzen werde, um dem Schicksal, dem Pech, dem Zufall, wem oder was auch immer einen fetten Strich durch die Rechnung zu machen. Aufgeben und Einstecken steht nämlich auf keiner Prioritätenliste. Definitiv nicht. Immer mehr wird mir klar, dass es einen Grund geben muss, warum das Leben nicht einfach ist, dass an dem Ponnyhof-Spruch was dran ist und dass Probleme dazu da sind, um sie zu lösen. Also lasst uns auf die Barrikaden gehen und für unsere Träume und Ziele kämpfen. Keiner sagt, dass es einfach werden wird, keiner sagt, dass wir sofort gewinnen, aber am Ende werden wir irgendwann mit mehr dastehen - lasst uns sicher sein!

Eigentlich sollte es einfach sein: all das, was uns jetzt stärker machen wird, uns Kraft gibt, uns unseren Kampfgeist wecken lässt und uns Durchhaltevermögen einhaucht, all das sollten und werden wir selbst sein. Wir verabschieden uns von schlechten Gedanken, akzeptieren unser Leben als Baustelle, an der wir jeden Tag arbeiten können und treten aufs Gaspedal (auch ohne Führerschein). Party hard.
Ich sah also vorgestern in der U-Bahn und an der Haltestelle gleich mehrere junge, kotzende Menschen. Ich liebte sie. Kotzende Menschen befreien sich von dem, was Ihnen schwer im Magen liegt. Danach geht es ihnen meistens besser. Theoretisch gesehen ist Kotzen also was Gutes. Wie auch immer, ich liebe kotzende Menschen und hasse Pfützen. Die kotzenden Menschen, denen ich begegnet bin, haben aber Pfützen hinterlassen. Das bringt mich abschließend also wieder zum Anfang. Das Eine scheint wohl ohne das Andere nicht zu gehen - in diesem Fall. Ich werde weiterhin kotzende Menschen lieben und Pfützen hassen. So ist das nun mal. Beides kann man aus dem Weg gehen, was ich hasse teilt Gemeinsamkeiten mit dem, was ich liebe. So ist das auch. Karma ist auch was für Christen, es kann ohne Waffen gekämpft werden, Sharuk Khan ist kein guter Schauspieler und jeder sollte das Recht auf einen Studienplatz haben. Ich habe den Valentinstag verschlafen :) Daumen hoch!




"They say that time changes things, 
but you actually have to change them yourself."
- Andy Warhol

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen