Mit den Knospen und den ersten, kleinen Blättern, die den Bäumen ein zartes grün schenken, dachte ich einst automatsich, dass jetzt alles wieder bergauf gehen MUSS. Es kam für mich unterm Strich nicht wirklich eine andere Möglichkeit in Frage. Frühling als Vorbote für den Sommer, Frühling als absolutes Stimmungs- und Lebensqualität-Barometer; sozusagen. Mittlerweile bin ich da anderer Meinung. Meine Laune ist wirklich deutlich angehoben, aber der Frühling lässt meine Probleme nicht verblassen. Er lässt die Natur erwachen und malt den grauen Alltag wieder etwas bunter. Aber er radiert nicht unsere Probleme aus! Immerhin malt er mit vielen verschiedenen Farben - ohne Deckweiß. Ich weiß, dass der Frühling meine Probleme nicht aus der Welt schaffen kann. Er kann sie nicht einfach in bunt übermalen. Das Schwarz wird immer durchkommen. Der Frühling findet mir keine eigene Wohnung, der Frühling findet mir keinen zweiten Nebenjob oder einen Praktikumsplatz oder eine Badewanne voll Geld! Aber ich will mir selbst sagen, dass er mir die Augen mit Pastellfarben öffnen kann, um dadurch den Versucht zu starten, mir zu zeigen, dass man sogar das dukelste Schwarz mit dem richtigen Deckweiß verblassen lassen kann. Der Frühling ist kein Problemlöser, aber vielleicht ein Startschießer?
"Ein Optimist ist ein Mensch, der ein Dutzend Austern bestellt, in der Hoffnung, sie mit der Perle, die er darin findet, bezahlen zu können."
- Theodor Fontane
Der Buntmaler strahlt Optmismus aus. Seine Farben zeigen uns, dass nach einer Grauphase wieder Farbe kommen kann und wird - und das Jahr für Jahr. Der Buntmaler schafft es, uns ein Lächeln aufs Gesicht zu malen, mit seiner einzigartigen Kunst schafft er es sogar, dass wir die Farbe unseres Lächelns in Optimismus verwandeln wollen. Ja, ich bin wirklich der Überzeugung, dass der Buntmaler bei ins Schwarze getroffen hat! Ich sehe die Welt mit mehr Farben, als noch vor Wochen. Natürlich bin ich mir der Tatsache bewusst, dass ich mein Leben selbst malen muss, mit meinen eigenen Farben, aber der Frühling ist nach einer langen und farblosen Zeit, eine wahre Inspiration. Er inspiriert mich dazu, meinen Farbkasten heraus zu kramen und ihn auch zu benutzen. Er drückt mir den Pinsel an manchen warmen Tagen förmlich in meine Hand. Jetzt muss ich es nur noch schaffen, endlich (!) mit dem malen anzufangen. Ich mal mir meine Welt bunter und farbenvielfältiger. Das geht am besten mit der passenden Motivation - mit einem Besuch in Stuttgart und einem Wiedersehen mit der Familie und den Freunden. Inspiration und Motivation färben einen Schwarzmaler in einen Optimisten, naja, einen angehenden Opimisten, der sich "nur" noch in den Farbtopf seines Lebens fallen lassen muss und seiner künstlerischen Ader dann freien Lauf lassen kann. Leichter gesagt, als getan. Manche sagen, dass schwarz keine Farbe wäre, aber trotzdem ist diese Nichtfarbe überall vorhanden, auch in Farbkästen. Vor allem aber, in meinem Leben. Ich versuche schon seit längerer Zeit, optimistisch zu sein, aber manchmal kam mir Optimismus wie schwarzer Humor vor. Ich sehe den Farbtopf, ich hab sogar schon meinen Finger hineingehalten, aber ich kann nicht reinspringen, ich sehe hinter mir und um mich herum noch zu viel schwarz. Ich will nicht nach der Deckweißtube greifen, will das Schwarze nicht abdecken, ich will es schaffen, es bunt machen! Das muss möglichsein, so viel Optimismus habe ich, um das aus Überzeugung sagen zu können. Hat Xavier Naidoo also Recht? Kann wirklich alles besser werden?
"Optimist ertrinkt in halbvoller Badewanne!!"
- Schlagzeile aus "American Dad"
Die Zeit und die Erlebnise und Erfahrungen, die sie mit sich bringt macht aus uns Menschen manchmal Schwarzmaler; und irgendwann heißt es dann plötzlich Schwarzmaler vs. den Buntmaler. Diese Gegenüberstellung stellt sich von Menschen zu Menschen unterschiedlich dar, aber im Ende ist sie doch immer die Gleiche: sie ist die Frage, die wir uns selbst zu oft stellen. Wollen wir weiterhin alles grau in grau gefärbt lassen, oder wollen und sollten wir die Farben endlich sehen? Unser Leben in technicolor oder doch lieber als Schwarzweißfilm? In genau diesem Ende, in welchem wir uns dieser Frage konfrontiert fühlen, sollten wir nicht nur mit dem Herzen und mit dem Kopf entscheiden, sondern auch mit unserem geistigen Auge! Denn wir alle können die Farben sehen, und wir sehen nicht nur die Grundfarben, wir sehen unendlich viele Farben, wenn wir nur wollen - wenn wir nur richtig hinschauen.
Wir sollten alle unendlich froh darüber sein, dass der Himmel über uns blau war, blau ist und blau bleibt :)
Denn selbst, wenn uner Himmel manchmal grau oder schwarz ist, wir wissen trotzdem, dass wenn wir hochschauen und unsere Augen wirklich öffen, wir den blauen Himmel sehen...
- lasst uns die F a r b e n mit Löffeln essen -



