Samstag, April 24, 2010

der Buntmaler

Ich bin so froh, dass der Himmel blau ist und nicht grün oder sogar rot. Zum Glück ist er nicht gelb, denn dann würde uns das perfekte Zusammenspiel der hell strahlenden Sonne mit dem wunderbar blauen Himmel gar nicht auffallen. Deutschland blüht nach einem harten Winder endlich wieder auf. Es gibt nichts schöneres (außer natürlich das Endprodukt: den Sommer!). Es liegt in der Luft - diese Energie, die auftaut und uns alle versucht langsam mitzureißen. Ich muss sagen, ihr Plan geht auf. Ich spüre den Frühling schon in meinem Blut. Vor allem und gerade weil es der erste Frühling ist, in dem ich durch meine Nase einatmen kann. Selbst wenn ich bald wieder die Pollen bekomme, ich bin trotzdem im Frühlingsfieber. Nur das Frühlingsfieber hat sich im Laufe der Jahre und des Älterwerdens verändert.
Mit den Knospen und den ersten, kleinen Blättern, die den Bäumen ein zartes grün schenken, dachte ich einst automatsich, dass jetzt alles wieder bergauf gehen MUSS. Es kam für mich unterm Strich nicht wirklich eine andere Möglichkeit in Frage. Frühling als Vorbote für den Sommer, Frühling als absolutes Stimmungs- und Lebensqualität-Barometer; sozusagen. Mittlerweile bin ich da anderer Meinung. Meine Laune ist wirklich deutlich angehoben, aber der Frühling lässt meine Probleme nicht verblassen. Er lässt die Natur erwachen und malt den grauen Alltag wieder etwas bunter. Aber er radiert nicht unsere Probleme aus! Immerhin malt er mit vielen verschiedenen Farben -  ohne Deckweiß. Ich weiß, dass der Frühling meine Probleme nicht aus der Welt schaffen kann. Er kann sie nicht einfach in bunt übermalen. Das Schwarz wird immer durchkommen. Der Frühling findet mir keine eigene Wohnung, der Frühling findet mir keinen zweiten Nebenjob oder einen Praktikumsplatz oder eine Badewanne voll Geld! Aber ich will mir selbst sagen, dass er mir die Augen mit Pastellfarben öffnen kann, um dadurch den Versucht zu starten, mir zu zeigen, dass man sogar das dukelste Schwarz mit dem richtigen Deckweiß verblassen lassen kann. Der Frühling ist kein Problemlöser, aber vielleicht ein Startschießer?

"Ein Optimist ist ein Mensch, der ein Dutzend Austern bestellt, in der Hoffnung, sie mit der Perle, die er darin findet, bezahlen zu können."
- Theodor Fontane

Der Buntmaler strahlt Optmismus aus. Seine Farben zeigen uns, dass nach einer Grauphase wieder Farbe kommen kann und wird - und das Jahr für Jahr. Der Buntmaler schafft es, uns ein Lächeln aufs Gesicht zu malen, mit seiner einzigartigen Kunst schafft er es sogar, dass wir die Farbe unseres Lächelns in Optimismus verwandeln wollen. Ja, ich bin wirklich der Überzeugung, dass der Buntmaler bei ins Schwarze getroffen hat! Ich sehe die Welt mit mehr Farben, als noch vor Wochen. Natürlich bin ich mir der Tatsache bewusst, dass ich mein Leben selbst malen muss, mit meinen eigenen Farben, aber der Frühling ist nach einer langen und farblosen Zeit, eine wahre Inspiration. Er inspiriert mich dazu, meinen Farbkasten heraus zu kramen und ihn auch zu benutzen. Er drückt mir den Pinsel an manchen warmen Tagen förmlich in meine Hand. Jetzt muss ich es nur noch schaffen, endlich (!) mit dem malen anzufangen. Ich mal mir meine Welt bunter und farbenvielfältiger. Das geht am besten mit der passenden Motivation - mit einem Besuch in Stuttgart und einem Wiedersehen mit der Familie und den Freunden. Inspiration und Motivation färben einen Schwarzmaler in einen Optimisten, naja, einen angehenden Opimisten, der sich "nur" noch in den Farbtopf seines Lebens fallen lassen muss und seiner künstlerischen Ader dann freien Lauf lassen kann. Leichter gesagt, als getan. Manche sagen, dass schwarz keine Farbe wäre, aber trotzdem ist diese Nichtfarbe überall vorhanden, auch in Farbkästen. Vor allem aber, in meinem Leben. Ich versuche schon seit längerer Zeit, optimistisch zu sein, aber manchmal kam mir Optimismus wie schwarzer Humor vor. Ich sehe den Farbtopf, ich hab sogar schon meinen Finger hineingehalten, aber ich kann nicht reinspringen, ich sehe hinter mir und um mich herum noch zu viel schwarz. Ich will nicht nach der Deckweißtube greifen, will das Schwarze nicht abdecken, ich will es schaffen, es bunt machen! Das muss möglichsein, so viel Optimismus habe ich, um das aus Überzeugung sagen zu können. Hat Xavier Naidoo also Recht? Kann wirklich alles besser werden?

"Optimist ertrinkt in halbvoller Badewanne!!"
- Schlagzeile aus "American Dad"

Die Zeit und die Erlebnise und Erfahrungen, die sie mit sich bringt macht aus uns Menschen manchmal Schwarzmaler; und irgendwann heißt es dann plötzlich Schwarzmaler vs. den Buntmaler. Diese Gegenüberstellung stellt sich von Menschen zu Menschen unterschiedlich dar, aber im Ende ist sie doch immer die Gleiche: sie ist die Frage, die wir uns selbst zu oft stellen. Wollen wir weiterhin alles grau in grau gefärbt lassen, oder wollen und sollten wir die Farben endlich sehen? Unser Leben in technicolor oder doch lieber als Schwarzweißfilm? In genau diesem Ende, in welchem wir uns dieser Frage konfrontiert fühlen, sollten wir nicht nur mit dem Herzen und mit dem Kopf entscheiden, sondern auch mit unserem geistigen Auge! Denn wir alle können die Farben sehen, und wir sehen nicht nur die Grundfarben, wir sehen unendlich viele Farben, wenn wir nur wollen - wenn wir nur richtig hinschauen.

Wir sollten alle unendlich froh darüber sein, dass der Himmel über uns blau war, blau ist und blau bleibt :)
Denn selbst, wenn uner Himmel manchmal grau oder schwarz ist, wir wissen trotzdem, dass wenn wir hochschauen und unsere Augen wirklich öffen, wir den blauen Himmel sehen...



- lasst uns die F a r b e n mit Löffeln essen -

Samstag, April 17, 2010

der Führerschein

Wenn wir uns nicht selbst vor Enttäuschungen schützen können, wer schützt uns eigentlich dann? Hat jeder Mensch einen anderen Mensch, der den Airbag spielt, wenn wir kurz davor sind, uns selbst weh zu tun? Und sind wir gleichzeitig alle in der Lage, den menschlichen Airbag für unsere Nächsten zu mimen?  Zwischenmenschliche Beziheungen sind ziemlich schwer zu definieren. Das ist uns allen klar. Denn wir alle stehen jeden Tag aufs neue der Herauforderung der „zwischenmenschlichen Beziehung“ gegenüber. Täglich grüßt das Murmeltier, täglich grüßen uns die Menschen in unserem Leben, mit denen wir uns befassen. Sie sind in unseren Gedanken, sie sind Teil unseres Lebens und formen unsere Persönlichkeit – jeden Tag aufs Neue. Nehmen wir an, wir alle haben einen Führerschein, für den wir nicht unmengen von Geld zahlen mussten. Diese „Fahrerlaubins“ bekommen wir am Tage unserer Geburt. Am Anfang wissen wir nichts. Wir wissen auch nicht, wie wir diesen Schein nutzen sollen. Mit den Jahren, lernen wir die unterschiedlichsten Dinge, wir lernen lesen und schreiben, manche von uns lernen sogar rechnen (ich gehöre leider nicht dazu, aber ich lebe, und wenigstens kann ich das kleine Einmaleins), selbstverständlich lernen wir mit einander umzugehen. Manche lernen dies mehr und manche lernen es weniger. Aber wir alle lernen, da sind wir uns einig. Das Leben ist ein einziger Lernprozess.  Dadurch, dass wir uns an Wissen und Erfahrungen bereichern, erlernen wir zeitgleich auch, den uns angeborenen Führerschein zu nutzen. Weil ich gerade den Versuch starte, unser komplexes Leben in eine Art „Form“ zu pressen, und dabei die schwierigen Situationen, die uns mit jedem neuen Tag gegenüberstehen bildlich zu erfassen, sage ich heute einfach mal, dass unser Leben eine Autofahrt ist. Dazu muss ich kurz erwähnen, dass ich selbst keine Erlaubnis habe, ein PKW zu fahren. Naja, ich sehe das auch nicht ein, mir eine Erlaubnis dafür zu kaufen – zu viel Geld, dass ich sowieso nicht habe und zum Glück kommt man in Berlin IMMER von Punkt A zu Punkt B, egal wie! Aber zurück zum „Abenteuer Leben“ aka „Auto“. Wir alle haben also den Führerschein für unser persönliches Auto. Ich finde das Beispiel eigentlich ziemlich gut, denn es ist sehr leicht zu verstehen. Bei roten Ampeln muss man halten, bei grün darf man fahren. Mal sind die Straßen, die wir befahren holprig und mal sind sie gut gepflastert. Wir fahren an Unfällen vorbei und die allermeisten von uns geraten leider hier und da auch mal selbst in einen Unfall. Unsere Autos sollten mit mindestens einem Airbag ausgestattet sein. Dieser Airbag kann jeder sein – meistens ein geliebter Mensch. Ein Mensch, dem wir uns anvertrauen, dem wir uns verraten.

Auf unserem Weg stellen wir fest, dass wir kein integriertes Navigationssystem haben, also müssen wir uns auf unseren Orientierungssinn verlassen. Der ist mal stark und mal weniger stark ausgeprägt.Normal. [Es gibts hier keinen wirklichen Standart; bei diesem Auto gibt es nur Sondermodelle, keine Massenanfertigung. ] Sind wir ehrlich, keiner kennt den richtigen Weg, irgendwann landen wir alle einmal in einer Sackgasse, einer Einbahnstraße. Da fällt das Wenden sehr schwer, vor allem, wenn die Gangschaltung klemmt. Es soll sogar vorkommen, dass man gegen eine Wand prallt und das Gefühl hat, einen Totalschaden zu erleiden. Genau in diesen Momenten sollten unsere Airbags aufgehen, und uns den Aufprall ein wenig weniger hart machen. Der Aufprall, auch Enttäuschung oder Niederschlag genannt, kann nicht wett gemacht werden, keiner kann uns davor schützen, aber wenn wir Glück haben, kann unser Airbag uns vor Genickbrüchen bewahren. Wir kommen nicht ohne Schrammen, Kratzer oder blauen Augen heraus, vllt schaffen es manche von uns nicht einmal, den Aufrpall ohne diverse Brüche zu überstehen, aber wenn wir einen guten Airbag haben, schaffen wir es lebendig wieder aus der Sackgasse heraus. Und dann fahren wir weiter. Wir fahren früher oder später immer weiter. Selbst, wenn wir das gar nicht wollen. Unser Motor lässt uns immer weiterfahren - mal schneller, mal weniger schnell, aber wir fahren bis zu dem Tag, an dem sich unser Motor frei- oder unfreiwillig entscheidet, dass wir genug gefahren sind. Bis zu diesem Tag müssen wir es bei Regen, bei Schnee, bei Hitze und bei Kälte schaffen, unser Lenkrad fest im Griff zu haben, um auf unserer Straße zu bleiben.

Im Endeffekt kommt es darauf an, dass wir versuchen, diese Fahrt für uns zu fahren um irgendwann einmal sagen zu können, dass wir wenigstens streckenweise richtig Vollgas gegeben haben.  Dass wir den uns geschenkten Führerschein voll ausgenutzt haben und ihn nie aus der Hand gegeben haben. Letzendlich ist dieser Führerschein doch auch eine Art Schlüssel zum Glück. Dass wir uns sicher sein können, dass unsere Airbags immer bereit wahren, uns vor Erschütterungen und Schäden zu hüten.
Ich bin froh, sagen zu können, dass ich wirklich solche Airbags in meinem Leben habe. Ich bin für jeden dieser Airbags in meinem Leben mehr als nur dankbar. Manche nennen ihre Freunde ihre Sterne am Himmel oder ihre Felsen in der Brandung, ich nenne sie meine Airbags.

Ich brauche diese Airbags. Ich bin gerne ein Airbag; ich bin dankbar dafür, als Airbag angenommen zu werden. Ich kann mir nicht vorstellen, diese Fahrt ohne Airbags zu überstehen. Weil ich glaube zu wissen, dass es ist eine lange Fahrt ist - zurück zu uns...


fangen wir damit an, an uns zu glauben

Dienstag, April 06, 2010

der Träumer

Es war einmal, in einer großen Stadt ein kleiner Junge, der sich einigen größeren und noch größeren Tatsachen stellen musste. Hierbei handelt es sich, wie in jedem anderen Märchen auch um das Bekämpfen von Drachen und das Retten von schlafenden Schönheiten. Selbstverständlich steht die Hauptfigur der Geschichte im Zwiespalt von Gut und Böse, zwischen Richtig und Falsch. Wie wir alle wissen, ist es nicht die leichteste Sache der Welt, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden. Manchmal sieht das Falsche richtig aus und umgekehrt. Zwansgläufig begehen wir Fehler und treffen weniger gute Entscheidungen. Der Weg zum angepeilten Ziel erscheint einem dann wie ein Spießroutengang oder ein Marsch durch ein Dornengebüsch.
Das Märchen begann mit einer Zugfahrt von Stuttgart nach Berlin. Die erste Station war im abgelegenen Pichelsberg. Mit Drachen musste er damals noch nicht kämpfen, aber dafür mit Hexen, Hunden und Kellerverließen. Aber was wäre ein vernünftiges Märchen, ohne Drachen? Also muss(te) der Junge auch gegen Drachen kämpfen. Der größte Drache, dem er sich noch stellen muss, nennt sich "Wohnungssuche". Momentan findet er sich in Kreuzberg wieder und er weiß, dass er dort nur auf der Druchreise ist. Nachdem er und seine damaligen Gefährten schon mehrere Kämpfe mit den verschiedensten "Wohnungsbesichtigungs"-Drachen verloren hatte, entschloss er sich im Alleingang gegen den größten Drachen anzukämpfen. Wahrscheinlich ist das die richtige Entscheidung, selbst wenn sich der Junge noch viele Gedanken macht und sich selbst Tag für Tag eingestehen muss, dass seine Geschichte zu ändern nicht so einfach ist, wie er es einst annahm.

In der Tat; er beschäftigt sich lieber mit träumen. Er träumt von langen Sommertagen, von dem unbeschwerten Leben, von lauen Sommernächten und davon, wie er und seine Kompanie die Nächte zu Tagen machen. Er baut sich die schönsten Traumschlösser, mit hunderten von Zimmern. In jedem Zimmer befindet sich eine andere Überraschung und jedes Zimmer sieht anders aus, damit er all seine Freunde und seine Familie um sich haben kann, wann er will, damit sich seine Herzensmenschen in seinem Traumschloss wohl fühlen. Mit einem riesigen Garten, in dem es immer Sommer ist - inklusive einem riesigen Pool, der sich von selbst säubert. Ein Traumschloss, indem er alles hat, was er braucht und in dem die Sorgen des Alltags keinen Platz haben. Ja, im Bauen von Traumschlössern ist der Junge ziemlich gut. Manchmal fällt es ihm sehr schwer, sich selbst wieder aus dieser Welt rauszuholen. Oft übernehmen das andere für ihn. Die Bösen; die bösen Wahrheiten und Realitäten, vor denen er sich nur allzugerne verstecken würde, es aber nicht kann. Also beginnt er sich mit Schwert und Schild zu rüsten, um sich diesen Warheiten zu stellen. Er weiß ja schon, dass wegrennen nichts bringt. Doch was er nicht weiß ist, wie man gegen die Bösen ankämpft, wie man mit den Drachen fertig wird. Leider kennt er keine Zauberer, die ihm mit Zauberformeln helfen könnten, die Drachen auf "friedliche" Weise zu besiegen. Er ist sich dessen bewusst, dass er in den Kampf ziehen muss. Dabei vergisst er nicht, auf seinem Weg nach vorne, die schlafenden Schönheiten aufzuwecken, die ihm begegnen. Die kleinen Schönheiten im Leben, die selbst den grausten, dunkelsten Tag aufhellen können. So kommt es, dass er versucht, diese Schönheiten zu wecken, sei es mit einem Kuss oder nur mit einer leichten Berührung. Er versucht Menschen, die ihm etwas bedeuten zu berühren, im Gegenzug wird auch er berührt. Und sogar die kleinsten Berührungen, die seine Seele und sein Herz nur zaghaft streifen, lassen ihn aufleben und schenken ihm neue Kraft, um nicht aufzugeben, um sich nicht geschlagen zu geben, um immer und immer wieder weiter zu marschieren...
So wacht der Träumer vorrübergehend auf, nicht aber, um Realist zu werden, nicht um wieder in sein Pessimisten-Dasein zurückzukehren, nein, er wacht auf, um seinen Träumen zu folgen und an ihnen festzuhalten. Und selbst wenn manche Träume letztendlich Schäume bleiben, so wird er sich tief in seinem Herzen sicher sein, dass der eine oder andere kleine Traum zur Realität werden wird. Dafür kämpft er ab jetzt und ab heute und im Hier. Dafür stellt er sich den Drachen, den Hexen und den Dorchenbüschen, dafür nimmt er es mit Ungeheuern und mit der Realität auf sich...

Es war also einmal in einer großen Stadt, ein kleiner Junge, der ein Optmimist werden wollte. Heute, hier und jetzt und jeden kommenden Tag wird er es aufs Neue versuchen und je näher die leichten Sommertage kommen, je weiter öffnet sich sein Herz dem, was noch auf ihn wartet...



In diesem Märchen kann man auch ohne Zauberei,
aus einem Falschen weg, DEN richtigen machen.