Samstag, April 17, 2010

der Führerschein

Wenn wir uns nicht selbst vor Enttäuschungen schützen können, wer schützt uns eigentlich dann? Hat jeder Mensch einen anderen Mensch, der den Airbag spielt, wenn wir kurz davor sind, uns selbst weh zu tun? Und sind wir gleichzeitig alle in der Lage, den menschlichen Airbag für unsere Nächsten zu mimen?  Zwischenmenschliche Beziheungen sind ziemlich schwer zu definieren. Das ist uns allen klar. Denn wir alle stehen jeden Tag aufs neue der Herauforderung der „zwischenmenschlichen Beziehung“ gegenüber. Täglich grüßt das Murmeltier, täglich grüßen uns die Menschen in unserem Leben, mit denen wir uns befassen. Sie sind in unseren Gedanken, sie sind Teil unseres Lebens und formen unsere Persönlichkeit – jeden Tag aufs Neue. Nehmen wir an, wir alle haben einen Führerschein, für den wir nicht unmengen von Geld zahlen mussten. Diese „Fahrerlaubins“ bekommen wir am Tage unserer Geburt. Am Anfang wissen wir nichts. Wir wissen auch nicht, wie wir diesen Schein nutzen sollen. Mit den Jahren, lernen wir die unterschiedlichsten Dinge, wir lernen lesen und schreiben, manche von uns lernen sogar rechnen (ich gehöre leider nicht dazu, aber ich lebe, und wenigstens kann ich das kleine Einmaleins), selbstverständlich lernen wir mit einander umzugehen. Manche lernen dies mehr und manche lernen es weniger. Aber wir alle lernen, da sind wir uns einig. Das Leben ist ein einziger Lernprozess.  Dadurch, dass wir uns an Wissen und Erfahrungen bereichern, erlernen wir zeitgleich auch, den uns angeborenen Führerschein zu nutzen. Weil ich gerade den Versuch starte, unser komplexes Leben in eine Art „Form“ zu pressen, und dabei die schwierigen Situationen, die uns mit jedem neuen Tag gegenüberstehen bildlich zu erfassen, sage ich heute einfach mal, dass unser Leben eine Autofahrt ist. Dazu muss ich kurz erwähnen, dass ich selbst keine Erlaubnis habe, ein PKW zu fahren. Naja, ich sehe das auch nicht ein, mir eine Erlaubnis dafür zu kaufen – zu viel Geld, dass ich sowieso nicht habe und zum Glück kommt man in Berlin IMMER von Punkt A zu Punkt B, egal wie! Aber zurück zum „Abenteuer Leben“ aka „Auto“. Wir alle haben also den Führerschein für unser persönliches Auto. Ich finde das Beispiel eigentlich ziemlich gut, denn es ist sehr leicht zu verstehen. Bei roten Ampeln muss man halten, bei grün darf man fahren. Mal sind die Straßen, die wir befahren holprig und mal sind sie gut gepflastert. Wir fahren an Unfällen vorbei und die allermeisten von uns geraten leider hier und da auch mal selbst in einen Unfall. Unsere Autos sollten mit mindestens einem Airbag ausgestattet sein. Dieser Airbag kann jeder sein – meistens ein geliebter Mensch. Ein Mensch, dem wir uns anvertrauen, dem wir uns verraten.

Auf unserem Weg stellen wir fest, dass wir kein integriertes Navigationssystem haben, also müssen wir uns auf unseren Orientierungssinn verlassen. Der ist mal stark und mal weniger stark ausgeprägt.Normal. [Es gibts hier keinen wirklichen Standart; bei diesem Auto gibt es nur Sondermodelle, keine Massenanfertigung. ] Sind wir ehrlich, keiner kennt den richtigen Weg, irgendwann landen wir alle einmal in einer Sackgasse, einer Einbahnstraße. Da fällt das Wenden sehr schwer, vor allem, wenn die Gangschaltung klemmt. Es soll sogar vorkommen, dass man gegen eine Wand prallt und das Gefühl hat, einen Totalschaden zu erleiden. Genau in diesen Momenten sollten unsere Airbags aufgehen, und uns den Aufprall ein wenig weniger hart machen. Der Aufprall, auch Enttäuschung oder Niederschlag genannt, kann nicht wett gemacht werden, keiner kann uns davor schützen, aber wenn wir Glück haben, kann unser Airbag uns vor Genickbrüchen bewahren. Wir kommen nicht ohne Schrammen, Kratzer oder blauen Augen heraus, vllt schaffen es manche von uns nicht einmal, den Aufrpall ohne diverse Brüche zu überstehen, aber wenn wir einen guten Airbag haben, schaffen wir es lebendig wieder aus der Sackgasse heraus. Und dann fahren wir weiter. Wir fahren früher oder später immer weiter. Selbst, wenn wir das gar nicht wollen. Unser Motor lässt uns immer weiterfahren - mal schneller, mal weniger schnell, aber wir fahren bis zu dem Tag, an dem sich unser Motor frei- oder unfreiwillig entscheidet, dass wir genug gefahren sind. Bis zu diesem Tag müssen wir es bei Regen, bei Schnee, bei Hitze und bei Kälte schaffen, unser Lenkrad fest im Griff zu haben, um auf unserer Straße zu bleiben.

Im Endeffekt kommt es darauf an, dass wir versuchen, diese Fahrt für uns zu fahren um irgendwann einmal sagen zu können, dass wir wenigstens streckenweise richtig Vollgas gegeben haben.  Dass wir den uns geschenkten Führerschein voll ausgenutzt haben und ihn nie aus der Hand gegeben haben. Letzendlich ist dieser Führerschein doch auch eine Art Schlüssel zum Glück. Dass wir uns sicher sein können, dass unsere Airbags immer bereit wahren, uns vor Erschütterungen und Schäden zu hüten.
Ich bin froh, sagen zu können, dass ich wirklich solche Airbags in meinem Leben habe. Ich bin für jeden dieser Airbags in meinem Leben mehr als nur dankbar. Manche nennen ihre Freunde ihre Sterne am Himmel oder ihre Felsen in der Brandung, ich nenne sie meine Airbags.

Ich brauche diese Airbags. Ich bin gerne ein Airbag; ich bin dankbar dafür, als Airbag angenommen zu werden. Ich kann mir nicht vorstellen, diese Fahrt ohne Airbags zu überstehen. Weil ich glaube zu wissen, dass es ist eine lange Fahrt ist - zurück zu uns...


fangen wir damit an, an uns zu glauben

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