Montag, Mai 31, 2010

der Traumfänger

Berlin ist wie ein Exil für Träumer.Vielleicht sogar das Exil für (uns) Träumer. In keiner anderen deutschen Stadt kann man seinen Träumen besser nachjagen, als in Berlin. Manchmal habe ich das Gefühl, dass hier eine gewisse Narrenfreiheit herrscht. Wie sollte es auch anders sein? Berlin ist roh, Berlin ist jeden tag neu, hier ist alles immer anders. Immer ein deutscher Sonderfall. Ostdeutschland, Westdeutschland - Berlin ist Deutschland. So wie Berlins ausgezeichnetes öffentliches Verkehrsnetzt spannt auch das unsichtbare Traumfängernetz seine Fäde durch die Hauptstadt. Wenn ich durch die Straßen laufe sehe ich die verschiedensten Menschen aneinander vorbeigehen. Meine manchmal müden Gedanken, die trotz einem gewissen Erschöpfungsgrades einfach nicht aufhören wollen, sich zu vermehren und sich auszutoben, fragen sich oft, ob all die anderen Träumer, die mir an einem Tag wohl begegnen mögen so fest an ihren Träumen festhalten, wie es bei mir manchmal den Anschein macht. Laufe ich dabei blind durch die Straßen Berlins, fehlt mir das Weitwinkelobjekt, welches sich "Realität" nennt, oder ist die größte Stadt Deutschlands wirklich Ort der größten Träume und deren Halter? Eine heimgesuchte Stadt, eine besessene Stadt, eine unfertige Stadt, die sich trotzdem nichts gefallen lässt. Ein Ort, der mir an manchen Tagen zu viel wird. So froh ich bin, hier leben zu können, so fertig macht es mich, dass ich hier jetzt leben muss. Ich bin hier um zu bleiben, aber ob ich dafür bereit bin weiß ich nicht. Wie viele Träume sich wohl schon in dem Traumfänger Beriln verfangen haben?
In manchen klaren Nächten wollen hier nicht einmal die Sterne scheinen, Reime reimen sich nicht mehr und alles Richtige fühlt sich zu manch einer einsamen Stunde so grundliegend falsch an. Ich finde heraus, dass es mir Angst macht, mich auf mich selbst verlassen zu müssen. Ich will hier nicht stoppen, ich will meinen Weg nicht verlieren, ich will aufholen - aber ich fühl mich wie eine Fliege gefangen in einem Spinnennetz. Wahrscheinlich wird dieser Zustand solange anhalten, bis ich herausfinde, wie ich auf dem Netzt ballancieren kann, bis ich kein Fremdkörper mehr bin, sondern ein Teil von etwas Größeren. Es sind wiederrum diese Momente, in denen man sich mit dem Atmen schwer tut und die Sterne dann doch wieder beginnen, an Helligkeit zu gewinnen. Es ist die Angst, dieses Leuchten der Sterne nicht mehr zu sehen, es ist die Angst, vor lauter Angst, die Träume im Traumfängernetz zu verlieren...
Und es ist wohl auch die Ungewissheit, die uns schließlich hilft, an uns zu wachsen. Die meisten Dinge werden heißer gekocht, als gegessen - das letze Wort ist noch nicht gesprochen, das ist mir auch klar. Wieso rennen wir also trotzdem weg? Die Träumer in Berlin leben jeden Tag aufs Neue in diesem Gefängnis, in diesem Exil. Daran wachsen sie und daran scheitern sie mit jeder dunklen Nacht und jedem atemberaubenden Moment. Wir sind hier, um zu bleiben. Vielleicht bis wir gefunden haben, nach was wir suchen. Mag es ein Ort sein, an dem man sich zu Hause fühlen kann, mag es ein Mensch sein, bei dem man sich fallen lassen kann, mag es Inspiration sein, die einen helfen soll, sich selbst zu finden. Mag es schlicht ein Lächeln eines Fremden Träumers auf der Straße sein, dass einem beweist, wie die Hoffnung in uns allen lebt. Jeder sucht nach etwas in dieser Stadt. Jeder VERsucht, seinen Träumen einen Schritt näher zu kommen, um sie eines Tages wahrwerden zu lassen.

Nach der einen, sehr anstrengenden Woche in Stuttgart, in der ich damit beschtigt war, junge (mehr oder weniger motivierte) Menschen zu schulen und sie über ehrenamtliche Kinder- und Jugendarbeit in einem evangelischen Ferienwaldheim zu informieren, wurde mir auf der sechs-einhalb-stündigen Fahrt zurück in die Hauptstadt klar, dass ich mich von manchen Träumen verabschieden sollte.Wieso Zeit in einen Traum investieren, wenn es von Tag zu Tag mehr deutlich wird, dass er sich vielleicht nie so erfüllen wird, wie ich es mir in den letzten Wochen erhofft hatte? Ich wollte anfangs gar nicht mehr nach Berlin zurückfahren. Ich hatte kaum Zeit für meine Freunde, kaum Zeit für mich. Berlin wurde mehr und mehr zu einem verwunschenen Ort für mich. Ein schwarzes Loch, in dem weiß Gott was auf mich wartet! Der Abschied war kurz, aber gewiss nicht schmerzlos. Ich wusste genau, dass in Berlin das auf mich wartet, dem ich sowieso nicht entkommen kann... Wieso um einen Traum kämpfen, wieso an ihn festhalten? Wieso Energie für etwas Ungewisses vergeuden? Warum sich überhaupt diesen Fragen widmen? Warum kann der Regen des Realismus nicht einfach über uns herfallen und aus Träumern Realisten machen? Wäre die Welt dann ein weniger verrückter Ort? Würden wir die Dinge klarer sehen, uns nicht immer wieder auf neue Träume einlassen um am Ende dann doch nur aufgeweckt zu werden? Wenn dieser besagte Regen unsere Gedanken klarwaschen könnte - würde er den Platz, der sonst für die Träume da ist überfluten, sodass unsere Träume sang- und klanglos untergehen? Wenn ja, gehen wir wie ein Kapitän auf seinem eigenen Schiff mit unter, oder versuchen wir zu schwimmen, weil wir ohne unsere Träume doch nicht können...

Vermutlich liebe ich diesen Ort, aber er ist heimgesucht und manchmal will ich gar nicht mehr träumen - ich will nie wieder träumen können! Aus Angst, dass das Netz des Traumfängers undurchlässig ist. Ja, ich glaube sogar, dass es Zeiten gibt, in denen wir alle erschöpft vom ewigen träumen sind und erdrückt  von der Hoffnung, dass Träume wahr werden können. Und trotzdem wissen wir es nicht; Traumfänger: Freund oder Feind?



Traum
„= All das, woraus man erwachen kann.”
Paul Valéry (1871-1945), frz. Dichter 
 

Montag, Mai 17, 2010

der Geist

Der Wonnemonat Mai macht seinem Namen in diesem Jahr keine Ehre. Beim besten Willen nicht, wobei der beste Wille hier auch nicht zu erkennen ist. Es ist durchgehend trübes Wetter, eine graue Wolkendecke versperrt uns die Sicht auf den Himmel und die Sonne scheint nur in den Gedanken auf uns - wenn überhaupt. Denn meiner Meinung nach ist es an manch solchen "Grau-in-Grau"-Tagen ziemlich schwer, auf gut Wetter zu machen, damit die Gedanken nicht die Farbe des Wetters annehmen. Sowieso ist es sehr schwer, der Umwelt zu entkommen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Nicht nur, dass es mit der Konzentration schwerfällt, nein, es kommt mir so vor, als wäre die Umwelt und die ganzen äußeren Umstände stärker als ich es bin. Momentaner Status: man schaukelt so vor sich hin. Und das ist nicht das, was man auf Dauer tun sollte.
Was also nun? Von der Schaukel abspringen? Oder doch eher an der Geschwindigkeit und der Beständigkeit arbeiten? Ich bin an und für sich für die zweite Option, doch, wie soll man das denn kontrollieren können, wenn es draußen windet? Den Wind kann man nicht kontrollieren, man kann lediglich versuchen gegen ihn anzuschaukeln. Erfolg ohne gewähr. Nicht, dass es das Einzige Problem bei der ganzen Sache wäre. Ich komme mir manchmal so vor, als wäre ich nicht alleine. Oh Gott! Sehe ich etwa tote Menschen? Oder gar tote Tiere? Nein, ich sehe weder noch, aber ich meine, dass ich von Geistern umgeben bin. Obwohl mir die Magie im Wetter fehlt, ist die Magie der Umwelt und der Geister allgegenwärtig.

Stimmen, die uns sagen was richtig und falsch sei; Lichter, die uns einen Weg weisen wollen; Geister, die überall um uns herum sind und uns beeinflussen. Ich definiere die Geister, die ich meine, nicht als Seelen von Verstorbenen oder irgendwelche halbdurchsichtigen Zombies, ich meine, dass diese Geister ganz real sind und sie in den verschiedensten Formen auf uns treffen. Sie werfen ihre Schatten in unseren Leben. Der Geist, der mich schon seit Wochen bis in meinen Träumen verfolgt nennt sich Angst. Er ist weder drichsichtig, noch gibt er komische "Buuhuu"-Geräusche von sich, er ist für mich zu 100% real und sein Schatten ist allgegenwärtig. Selbst wenn ich versuche weiterzuschaukeln hohlt er mich [trotzdem] ein.
Für mich ist die Liebe wie ein Geist. Ich weiß, dass viele Menschen an sie glauben, sie muss real sein, sie ist sichtbar in ihrer ganzen Vielfältigkeit. Aber nicht für mich. Ich tue mich schwer, sie zu sehen. Ich tue mich schwer, an sie zu glauben. Ich möchte in ihrem Schatten liegen und leben und lieben, aber ich spüre weder ihren Schatten noch sehe ich ihren Geist. Ist die Liebe vielleicht ein Flaschengeist - falls ja, wo liegt diese Wunderlampe und welche Reibetechnik muss man anwenden, um wenigstens einen Wunsch frei zu haben und eventuell erfüllt zu bekommen?
Irgendwann wollen wir alle von Geistern heimgesucht werden. Wenn Glück ein Geist sein sollte, dann warten wir doch alle nur darauf, dass er seinen Schatten auf uns wirft. Selbst wenn es eine Möglichkeit gibt, die Geister um uns herum zu knotrollieren, mit ihnen zusammen zu arbeiten, werden wir dann doch oft genug von den Geistern verfolgt, denen wir schon lange genug versuchen zu entkommen. Die Geister der Vergangenheit: die uns oftmals Tag für Tag die Fehler vorhalten, die wir einst machten. Egal wie sehr wir weitermachen, in manchen Momenten sind die Schatten der Vergangenheit zu dunkel, als dass wir sie ignorieren könnten. Ich kann mir nicht erklären, was die Geister damit bezwecken wollen, ob es einen tieferen Sinn dahinter gibt. Ich akzeptiere diese Momente, ich nehme sie oft als schmerzhaft wahr, ich atme sie ein, ich lebe sie und versuche dennoch sie zu vergessen. Der Geist der Zukunft ist der, der mich immer wieder aufs Neue antreibt und mir die Kraft gibt, es mit jedem Geist aufnehmen zu wollen. Und wenn wir nachts plötzlich wach werden und aus dem schläftigen Moment ein klarer Augenblick wird, merken wir, dass sogar die bösen Geister eine Funktion haben und der Geist, der in dieser Sekunde oder Minute vor uns steht, der uns sagt, dass es irgendwie weitergehen wird und dass es, wo es Schatten gibt auch Licht geben muss, dieser Geist lebt in und mit jedem von uns.

Oft sind es eben diese Stimmen in unseren Köpfen, die uns eine Entscheidung treffen lassen. Wir hören auf unsere innere Stimme in der Hoffnung, dass sie Recht behält. Wir schließen uns dem berühmt berüchtigten Bauchgefühl an und lassen es Oberhand ergreifen, wir akzeptieren die unsichtbaren Geister, die doch mehr als nur sichtbar zu sein scheinen. Dann sind wir vielleicht klar bei Sinnen, dann entscheiden wir...
Am Ende des Tages wird klar: meine Probleme sind die Geister, die ich rief.


jsg.

Montag, Mai 10, 2010

der AHA-Effekt

Wenn man vom Teufel spricht, kommt er um die Ecke. Dieser Spruch hat auf alle Fälle etwas sehr wahres in sich und an sich und auch um sich herum und ist sicherlich auch in vielen Fällen allgemeingültig. So ist es nicht nur mit dem Teufel, nein, so ist es mit eigentlich allem. Und die Dinge kommen schneller um die Ecke, als so manch einem lieb ist. Auf einmal steht da ein großes fettes AHA vor Dir. Da ist man den einen Tag noch süße, mehr oder weniger unschuldige 18 Jahre jung, allerplötzlichst - so ganz über Nacht - ist man in der unwichtigen, undefinierbaren, unnötigen Altersklasse - der 19-Jährigen angekommen. Ja so schaut das aus hier bei mir. Seit nunmehr fast zwei Wochen bin ich 19 Jahre alt und es ist wie bei jedem neuen Lebensjahr, ich bekomme es gar nicht wirklich mit. Und überhaupt ist das neunzehtne Lebensjahr doch völlig sinnfrei, natürlich nicht zum leben sondern wenn man logisch darüber nachdenkt. Mit 18 wird man 'erwachsen' und ist auch laut Gesetztgeber ein Erwachsener, mit 20 hat man wenigstens ne 2 davor und man ist kein 'Teenie' mehr; mit 19 ist man ein Jahr älter als man es mit 18 war und ein Jahr jünger als man es mit 20 wäre. Die Weisheit und die Reife und der erhoffte AHA-Effekt sind bis dato noch ausgeblieben. Naja, dachte ich, als ich die letzen Tage in meinem Kopf revue passieren ließ. Oberflächlich betrachtet gibt es da keinen großen, bedeutenswerten AHA-Effekt, aber kratz ich ein bisschen hier an meiner Fassade und buddel ich ein weniger dort im Dreck, dann kommt auf Teufel komm raus der ein oder andere nicht uninteressante Effekt zum Vorschein. Und genau das bestätigt dann wohl auch wieder, dass wenn man nur lange genug vom Teufel spricht,  oder 'wenigstens' nach ihm sucht, wird er mit großer Wahrscheinlichkeit um irgendeine Ecke angetanzt kommen. Das Leben ist kein Ponyhof! Wir alle kennen diesen Spruch und bei Gott (oder auch Teufel mag es wissen), diese Redensart ist wirklich und wahrhaftig der Wahrheit entsprungen. Die "Selbstständigkeit" habe ich mir anders vorgestellt. Mit naiven 18 Jahren zieht man blind und ohne die Welt zu kennen in eine fremde Großstadt; man lebt in einem Keller und meint, seinen Weg schon 'irgendwann' zu finden; man findet nicht den Weg, aber man findet heraus, dass das Leben macht was es nun einmal will und man lernt, dass man eben doch mehr als einem lieb sein mag herausfindet und findet. Ponys habe ich in meinem neuen Leben hier in der deutschen Haupstadt noch nicht entdeckt - daraus schließe ich schon so oder so, dass zumindest MEIN leben sicherlich kein Ponyhof ist. Ich i (be)merke, dass ich mit meinen 19 'neugewonnenen' Jahren begreife, dass ich mit 18 noch sehr naiv und unwissend war! Nein, nicht dass mir mit Neunzehn (ich wollt es mal ausgeschrieben haben) die Klar- und Weisheit kommt, aber mir wird wegen diesem Geburtstag klar, dass ich noch mehr als genug, genug, genug zu lernen habe... Also scheint die 19 doch irgendwie Sinn zu machen?

Wegen der Konfirmation meines kleinen, geliebten Bruders, musste ich nach Stuttgart reisen. Diese fünf Tage, die ich in de Schwabenmetropole verbracht habe, habe ich bestmöglichst (?) genutzt, um meine Herzensmenschen wiederzusehen und mit ihnen selbstverstehend Zeit zu verbringen und um natürlich meinen Bruder zu feiern. Ich will die kleine Chance hier nutzen um zu sagen, dass ich meinen Bruder sehr lieb habe und ich sehr stolz auf ihn bin! Seine Konfirmation war sehr schön (schöner als meine eigene). Aber vor allem habe ich einmal mehr gemerkt, dass ich meine Freunde und meine Familie hier in Berlin ungemein vermisse. Das alles hat aber trotzdem seine Richtigkeit und gehört zum Prozedere des Erwachsenwerdens wohlmöglich dazu. Ich akzeptiere das voll und ganz - mir bleibt nichts anderes übrig. Wie auch immer, ich habe die Zeit in Stuttgart sehr genossen und freue mich schon auf den nächsten Besuch. Bis dahin übe ich mich im Verschieben von wichtigen Dingen, im Augen-zu-machen vor wichtigen Dingen und im Schöner-Reden von wichtigen Dingen, die aber nicht so schön laufen. Ich habe also genug zu tun.

Stuttgart ist wie eine kleine Insel für mich geworden, eine Insel, auf der die Berliner Probleme gar nicht Wirklichkeit sind, auf der ich es mir [relativ] gut gehen lassen kann und Berlin vergessen kann. In de Realität kann und sollte ich Berlin natürlich nicht vergessen. Immerhin baue ich mir dort meine neue und ganz reale Identität auf. Auf dem Heimweg nach Berlin hatte ich genügen Zeit (1,5h Stau) über mein Darsein nachzudenken. Wohlgemerkt war der tag der Rückfahrt mein 19. Geburtstag. Ich hätte ihn mir einerseits schöner vorgestellt und andererseits war er wie er nun einmal war - ein Tag wie jeder andere! In einem Auto mit 2 fremden Männern, und meinem Prosecco aus der Dose und dem Piccolo-Sektflaschen. Es macht doch schon ziemlich Spaß, mit sich selbst anzustoßen ;)
 Weiter im Verlauf: In Berlin angekommen wurde ich wirklich sehr süß wieder Willkommen geheißen und wir (Buffi, Gregor, Manu und meine Wenigkeit) haben den Abend 'gebührend' gemeinsam ausklingen lassen; denn am Tag daruaf sollte schon die Hamburg-Reise folgen...

 von & aus Hamburg
 - Die Reeperbahn ist zum größten Teil assozial. Die Herbertstraße ist langweilig und das Gentleman-Konzert war (laut meiner höchstpersönlichen Meinung) nicht der Burner. Hauptsache aber, das Hostel in welchem wir hausten war 'günschtig' und das Wetter war gut. Sicherlich ist mein kurzer Eindruck von der Hansestadt nicht wirklich repsräsentativ, aber ich empfand die Ecken, die ich von Hambrug mitbekommen habe, als schlichtweg dreckig, schmutzig, versext und assi. Zum Glück habe ich mich für die Hauptstadt entschieden und ich weiß, dass der Bahnhof Zoo nichts im Gegensatz zur Reeperbahn ist! So viele Penner habe ich konzentriert noch nie auf einem Haufen bei hellichtem Tage gesehen, wie in Hamburg. Alleine schon aus diesem Grund und weil ich mich in Hamburg wie ein Tourist auf Abifahrt gefühlt habe, weiß ich, dass ich kein Hamburger bin. Vielleicht manchmal ein Diätburger oder ein Cheeseburger, wenn ich den ganzen Tag in neuen Schuhenm rumlatsche, aber kein Hamburger. Das stört mich auch weiter nicht, denn es hat schon seinen Grund, dass ich aus dem Stuttgarter Talkessel in das große Berlin gezogen bin.
Darf oder kann ich also behaupten, dass mir in Hamburg der AHA-Effekt wie aus dem heuteren Himmel kam? NEIN! Das kann ich nicht. Also eigentlich nicht. Viel Zeit nach dem hamburger AHA zu suchen blieb uns oder mir sowieso nicht. Vier liter Vordka einzunehmen und diverse andere alkoholische Getränke - das braucht natürlich seine Zeit ;) Der AHA-Effekt stellt sich also als schleichender Effekt heraus? Tag für Tag erleben wir einen neuen AHA-Effekt, summiert ergeben die ganzen kleinen und schon teilweise mittelgroßen "AHA-Effekte" irgendwann, vielleicht erst nach Jahren (?) den einen, bedeutsamen AHA-Effekt. Was ich versuchse zu sagen, ist gant einfach. Wir warten auf die große Erleuchtung, auf den Tag, an dem uns alles klar wird, auf die Stunde der Wahrheit. Dabei erleben wir diese Tage, diese Stunden Tag für Tag. An manchen Tagen mehr und an manchen Tagen weniger, und dann gibt bes noch die Tage, an dem das fette große AHA vor einem steht und man gar nicht drauf klarkommt. Meiner Meinung nach gibt es nicht diesen einen einzigen Tag; diese eine wahrhaftige Stunde - okay, sicher wird uns irgendwann in ein paar Minuten etwas großes offenbart, wer weiß, ich weiß es nich - aber letzendlich und eigentlich erleben wir jeden Tag einen AHA-Effekt. Mal ist er größer und mal eben weniger groß aber wenn wir am Ende eines Tages im Bett liegen und das Geschehene gedanklich nochmal nachspielen wird uns klar, dass wir irgeneinen Nutzen daraus ziehen können (und müssen?). Das oft gewollte und erwünschte "AHA" passiert also jeden Tag! Dabei gibt es zwei Seiten des 'AHAs'. Die eine Seite, die einen lehrreichen Effekt erzielen soll und die andere Seite, die wir jeder für uns selbst definieren sollten. Im Ende sind es wir, die das AHA bestimmen, die aus dem AHA eben ein "AJA" machen [können] oder nicht. Uns bleibt eigentlich nichts anderes übrig, als es immer wieder aufs Neue zu versuchen.


 - diese Aufnahme entstand in Hamburg am 28.4.2010: Zimmertüre -