Freitag, März 05, 2010

der Fremde

Hauptstadt. Großstadt. Metropole. Eine eigene Welt. Berlin hat viele Namen, viele Bezeichnungen. Berlin hat viele Facetten und Gesichter. Und langsam verstehe ich auch die Textzeilen von Peter Fox. "..Berlin du kannst so hässlich sein, so dreckig und grau, du kannst so schön schrecklich sein, deine Nächte fressen mich auf..." Naja, die Berlinernächte lerne ich dank Buffi und Co gerade erst kennen, aber den Rest meine ich schon, zum Teil unterschreiben zu können. Berlin, du kannst wirklich hässlich sein. Vor allem dann, wenn du einem nichts gönnst. Du bist dreckig, da gibts keine Widerrede. Deine Grautöne lockern sich ja zum Glück langsam auf. Ich sehe hier mal ein paar Blautöne und da eine Nuance Sonnenlicht! Es wird also, in diesem Punkt. Das sollte aber auch werden, Berlin, du warst lange genug grau in grau, dein weißer Schnee wurde schwarz und blieb es viel zu lange! Aber Herr Fox hat Recht! Du bist schön schrecklich und schrecklich schön. Ich bereue meinen Umzug immernoch nicht. Du wirst mich nicht so leicht auffressen können, ich bekomme dir nicht, glaube mir. Die Traumvorstellung von Berlin schwindet allmählich dahin, aber wie wir wissen, bleibt am Schluss immer ein Funken vom Zauber übrig...

Ich bin Berlin immernoch fremd. Es ist nicht der Ort, an dem man etwas bekommt, ohne etwas dafür zu geben; ohne streckenweise sogar aufzugeben. Berlin ist stark, stärker als manch ein Wille. Man mag hier vieles finden, aber lange nicht alles. Manchmal muss man wohl über Scherben und heißen Kohlen laufen, denn Berlin macht es einem nicht gerne einfach. Wahrscheinlich ist hier wenig Platz für übergroße Traumschlösser, dafür ist umso mehr Freiraum für Fehler. Berlin lebt von den Fehlern der Anderen, das hat es schon immer - vermutlich. Diese Stadt muss einen hohen Grad an Schadenfrohheit in der Luft haben.
Berlin ist so viel, aber keine Lebensversicherung. Ich habe schon einige Male den Satz "Berlin bindet" gehört oder gelesen. Ich sehe das nicht kommen. Für mich ist Berlin nicht für immer, Berlin ist eine von vielen Etappen. Eine Art Zwecksehe. Schließlich gehen wir so gut wie jeden Tag eine Zwecksehe mit irgendwem/irgendwas ein. Fressen oder gefressen werden. Berlin soll mein Mittel zum Zweck werden. Aber weil hier alles [noch] viel größer ist, als ich, muss ich an den Fehlern, die noch auf mich zukommen werden, an den Niederlagen, die mir bevorstehen, die langen, schwarzen Nächte und die einsamen Morgen danach wachsen und stärker werden. Wir alle müssen irgendwann stärker werden. Der Leitsatz "Was einen nicht umbringt, macht einen stärker" erfüllt somit total seine Funktion und sollte immer öfter richtungsweisend sein. Wirklich! Berlin schenkt einem nichts, aber Berlin lässt einen lernen, sehr viel lernen. Im Ende wird das weitaus besser sein, als Geschenke, die vergehen. Berlin - keine Lebensversicherung, aber durchaus der erste Grundbaustein zur Altersvorsorge...
Berlin will jeden auf die Probe stellen. Vielleicht auf eine, vielleicht auf zwei, ich weiss es nicht. Berlin will Maßstäbe setzen, will, dass Fremde fremd bleiben, will dass wir uns verlaufen, will dass wir an den vielen Abzweigungen scheitern. Berlin will, dass wir die Probe bestehen, will, dass aus dem Fremden Freunde werden, will, dass wir uns verirren um zu merken, dass die 'falsche' Abzweigung nicht so falsch war. Berlin spielt mit uns, Berlin benutzt mal Anführungszeichen, mal nicht. Finde ich diese Stadt tückisch? Ja. Versuche ich sie zu verstehen? Ja, sicher. Gelingt es mir? Nein. Dieser rohe, ehrlich falscher Ort ist nicht das, was ich mir vorgetsellt habe. Es ist nicht das, was ich vorhatte, nicht das, was ich wollte aber auch nicht das, was ich nicht wollte. Obwohl Berlin nicht so ist, wie wir es wollen, kann es irgendwann zu unserem, zu Deinem und auch zu meinem Berlin werden. Mit jedem tag aufs Neue, mit jeder Woche ein wenig mehr. Doch wirklich verstehen werde ich diese Stadt nie! Da bin ich mir sicher, darauf trinke ich einen... vielleicht schon dieses Wochenende.

  • kuzes persönliches Update +++
    Ich hasse mein Handy, LG ist nicht empfehlenswert. Ich bin nicht erreichbar und kann nicht erreichen, ich  hasse Vodafone. In 13 Tagen habe ich eine OP (wann anders mehr dazu!), ich suche und finde (!) einen zweiten Job, einen Praktikumsplatz und einen Platz zum wohnen, einen Platz wo ich morgens Berlin sehe! Der März geht noch 26 Tage. Nichts ist unmöglich, alles ist irgendwie machbar...

Hauptstadt. Großstadt. Metropole. Eine eigene Welt. Berlin ist vieles, aber Berlin ist nicht so, wie du es Dir vorstellst!



...ich schon!
Du auch, Berlin?

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