Sonntag, März 28, 2010

der Wechselkurs

Die Grundvoraussetzung für eine lange Überlebensdauer ist das Material, aus dem 'Etwas' geschaffen ist. Wenn es stabil ist, hält es viel aus. Letzendlich entscheiden aber die Rahmenbedingungen, wie lange die Stabilität gewährleistet ist. Die Rahmenbedingungen können also einen erheblichen Einfluss auf das [eigentlich?] langhaltende Material ausüben. Wir erwarten von den meisten Dingen in unserem Leben, dass sie möglichst stabil sind, damit sie möglichst lange halten. Dabei vergessen wir, dass nichts für die Ewigkeit geschaffen ist. Das fängt bei uns an und hört genau deshalb auch wieder bei uns auf. Vergänglichkeit ist unsere Bestimmung, sozusagen unser Schicksal, dem wir nicht entkommen können. Wir sind aus einem Material geschaffen, dass früher oder später nicht mehr stabil genug ist.
Letzte Nacht wurden die Uhren eine Stunde vorgestellt. Wir haben den Kurs gewechselt. Und obwohl die Zeit immer schneller vergeht, will gut Ding trotzdem Weile haben. Ist das möglich? Es ist schon fast April, der Frühling kommt, man merkt es an der Luft und an den ersten warmen Tagen, man merkt es an den Menschen, die auf einmal überall sind [und meinen, schon kurze Hosen tragen zu können], man merkt es an der Stimmung - diese Vorfreude hat uns die sonnigen Tage noch mehr genießen lassen.
Ich beginne mir schon die kommenden Wochen auszumalen, ich zeichne den Sommer schon in meinen Gedanken, ich pflanze kleine Samen in meinen Kopf, die zu einer Pflanze wachsen sollen, die sich Optmimismus nennt. Ich versuche, meinen Kurs zu wechseln. Im Endeffekt habe ich gar keine andere Wahl. Die Zeit wartet nicht auf mich. Am Mittwoch ziehe ich aus 'meinem' Keller aus, zugegeben, etwas schwermütig. Schwer, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich muss mir noch Gedanken machen, wie ich meinen Balast am besten mit mir nehmen kann. Ich verlasse Charlottenburg, um vorrübergehend in Kreuzberg Halt zu machen.
Das ist auch vollkommen in Ordnung für mich, ich freue mich auf den April und auf neue Erfahrungen und neue Hürden, nur habe ich Angst, dass ich mir die falschen Dinge vornehme und so nicht weiterkomme. Den Kurs zu wechseln ist wahrscheinlich das Normalste der Welt. Wir alle wechseln Kurse, ständig und andauernd. Aber wie viele Kurswechsel tun gut, gibt es eine Maximalgrenze für Veränderungen in einem Leben? Niemand schützt einen vor einem falschen Kurs, wir haben keinen eingebauten Schutzmechanismus, jedenfalls weiß ich von keinem. Manchmal ist es ja auch etwas Positives, nicht immer auf der sicheren Seite zu stehen, sich auf etwas einzulassen, dass einem total verrückt erscheint, einem eigentlich keinen Sinn macht. Wieso sollte sich das Einlassen auf ein Risiko nicht auszahlen? Das Material erscheint uns dann vllt nicht das stabilste, aber mit Arbeit und vielleicht auch mit einem guten Plan kann man bestimmt auch aus einem weniger stabilen Material etwas Langfristiges bauen.

Was ich versuche zu sagen ist, dass ich mit jedem Tag und mit jedem Kurswechsel lerne, dass sich der Wahrheit zu stellen wesentlich weniger Energie kostet, als vor ihr weg zu rennen. Ich bin Asthmatiker, rennen ist nicht meine Stärke,wenn man dann noch von Natur aus faul ist, erschwert einem das das Rennen. Trotzdem habe ich in den letzten Tagen das Gefühl, vor einigen, meiner Wahrheiten weg gerannt zu sein. Dass die Wahrheit schneller ist, habe ich wohl bei diesem Halbmarathon weitgehendst ausgeblendet. Dabei habe ich viel zu viel Energie verbraucht. So wie der Himmel über uns klarer geworden ist, sind auch Gedanken klarer geworden. Wir setzen unsere Energie oft falsch ein, wir investieren sie in einer verkehrten Weise. Würden wir uns weniger mit dem Wegrennen befassen, könnten wir die Wahrheit viel schneller akzeptieren und auf ihr aufbauen. Damit würde alles stabiler werden und die Rahmenbedingungen geeigneter für eine Langfristigkeit werden.
Mit der Zeitumstellung und der Sonne sollten wir auch den Kurs wechseln, um Energie zu sparen, um unsere Energie an den richtigen Baustellen einsetzten zu können, um uns stabiler zu machen, um etwas zu schaffen, was Dauer hat, damit wir die uns verbleibende Zeit richtig ausnutzen können. Das macht das Leben aus!




I still believe in summer days, the seasons always change & life will find a way

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