Sonntag, März 21, 2010

der Ausflug

Diesen Mittwoch war ich in Hawaii. Eigentlich wollte ich nach Calella, aber da ich nüchtern bleiben musste und dementsprechend wirklich stocknüchtern war, entschloss ich mich für Hawaii. Muss ja wirklich schön dort sein. Meine Erinnerungen an diesen amerikanischen Bundesstaat sind ziemlich verschwommen. Genauer gesagt, habe ich jegliche Erinnerung an Hawaii verloren. Das ist übrigens an und für sich ziemlich schade, aber in diesem besonderen Fall sollte ich es als ‚nicht weiter tragisch‘ einstufen und abhaken. Als ich in meinem Krankenhauszimmer aufwachte war der Kurztripp auf die Insel auch schon wieder vorbei und ich war high (Achtung: Reim!) Weg aus Hawaii und weg vom Fenster. Das Wort Vollnarkose ist hier untertrieben. Hawaii muss kurz aber schön gewesen sein. Und sehr intensiv.
Nach einer unruhigen Nacht in einem ubequemen Krankenhausbett bin ich dann auch wirklich mit Tampons in der Nase aufewacht – in der Fachsprache Tamponaden. Irgendwie zwischen unangenehm und „scheiß egal“ würde ich auch diese Situation einstufen und im Verlauf der Geschehnisse fortfahren. Die Dinger wurden mir ja zum Glück im Laufe des (Donners)Tages entfernt und damit brach auch der Damm, der das klumpige Blut zum fließen brachte. Da wurde mir dann auch gesagt, dass mir Röhrchen in die Nase eingenäht worden sind, damit das Blut besser abfließen kann. Dann widerrum hätte ich beinahe gebrochen, denn diese Vorstellung wiedert mich an. Die Röhrchen sind immernoch drin, bis Montag, meine Nase blutet momentan immernoch. Auch wenn die Blutungen immer schwächer werden.* Antibotika wird auch bis Montag genommen. Ach meine Güte, wie ich Krankenhausaufenthalte doch liebe. Sie sind langweilig und die meiste Zeit schläft man. Die Schwestern waren aber wirklich im Großen und Ganzen ziemlich nett. Heilfroh, im wahrsten Sinne des Wortes, war ich über den lieben Besuch von Buffi und Chrille :) Hat mich unheimlich gefreut, vor allem die Kekse, Nutella und der „Gute Besserung“ – Luftballong! YEAH! Der wird noch 'ne ganze Weile halten...

Was nicht mehr lange hält, ist meine Geduld. Jetzt kommt nämlich das * was ich wirklich loswerden muss. Meine Nase blutet immernoch, es ist Sonntag. Sie will nicht aufhören zu bluten. Vielleicht will sie ja aufhören, aber wenn sie es will, dann wohl nicht genug, denn sie tut es nicht. Sie hört nicht auf. Ich habe seit Mittwoch nicht mehr richtig durchgeschlafen. Meine angeschwollene, schon von Natur aus breitere Nase, die jetzt noch breiter ist, blutet und löst sich innerlich auf. Meine Nerven lösen sich langsam immer mehr auf. Ich blute! Qualitativ hochwertige Lebensqualität sieht anders aus und fühlt sich auch mit der größten Sicherheit anders an. Meine Gedanken bluten und spielen verrückt oder noch besser: ich blute in diesem Rausch verrückt spielende Gedanken. Zwischen schlechter Schlafphase Nr. 1 und unruhiger Schlafphase Nr. 2 träume ich wirres Zeug, was mich noch weniger zum schlafen bringt. Weil ich nicht schlafen kann, denke ich nach. Jetzt stelle ich mir unter anderem die Frage; bluten wir immer? Laufen wir unser Leben lang - Tag für Tag - mit blutenden Wunden herum? Mal mehr und mal weniger blutend? Gewöhnen wir uns an diesen Zustand und akzeptieren wir ihn sogar? Ich akzeptiere diese blutende Nase wirklich nicht, aber nach fast 4 Tagen habe ich mich schon fast daran gewöhnt, 3x täglich dieses Tamponaden-Etwas zu wechseln. Aber die Wunden, die nicht für jeden sichtbar sind, die blutenden Wunden, die wir alle besitzen, vergessen wir doch im Alltag zu pflegen, uns intensiv um sie zu kümmern. Deshalb bluten wir auch wahrscheinlich irgendwie immer. Ist uns das egal geworden? Ich meine, die Wunden werden doch nicht weniger, die Blutungen hören doch nicht einfach auf, oder sind wir ausgeblutet?

Und bald ist April. Ich kann es kaum erwarten. Frühlingsanfang im Kalender und auch bald in der Temperatur. Ich seh uns alle schon in kurzen, knappen Klamotten und strahlenden Gesichtern! Im April werde ich nicht nur 19, nein, im April mache ich einen Ausflug nach Kreuzberg, mal die Wohnsituation bisschen ändern. Im April wird sich auf mehrere Ausflüge begeben, damit ich mir eine eigene Herrberge suchen (und finden!) kann. Nach monatelangem Hin und Her habe ich mich jetzt doch dazu entschieden, alleine zu leben. In eine WG kann ich immernoch ziehen, wenn ich merken sollte, dass ich alleine nicht klarkomme oder lieber Gesellschaft haben möchte. Wobei, die Gesellschaft kann ich mir ja dann auch besorgen, wenn ihr wisst, was ich meine ;)
Achja, im April steht nicht nur ein Auflug nach Stuttgart im Terminkalender, da mein kleiner Bruder seine Konfirmation feiert, nein ein weiterer, mit Sichterheit aufregender Ausflug wird schon von mir und auch von anderen heiß erwartet. Dazu wann anders (viel) mehr!
Sobald die Nase einmal wieder Normalgröße hat, ich endlich, nach Jahren, auch mit ihr atmen kann,sollte sich die besagte Lebensqualität verbessern. Alles andere nehmen wir ja Tag für Tag in Angriff. Dabei stellen wir fest, dass wir manchmal auch Dinge tun müssen, die wir nicht wollen. Dabei stellt sich eine elementare Frage: Muss man wirklich manchmal tun, was man glaubt, tun zu müssen? Wir verabschieden uns von Menschen, die unser Leben verlassen wollen oder müssen, wir verlassen Menschen und manchmal verlässt uns der Mut un die Hoffnung. Genau diese Momente, die irgendwann an einem unumgehbaren Punkt angekommen sind, lassen uns bluten, lassen uns aufgeben und lassen uns die Wunde, die diese Momente hinterlassen einfach hinnehmen. So weh das auch tun mag, selbst wenn wir diese Wunden gerne verbinden wollen, stoppen wollen, aber manchmal können wir das nicht. Bluten ohne zu verbluten? Das können wohl nur diese unsichtbaren Wunden...


Danke an den Einen und die Andere, die einen Ausflug in meinen Blog wagen.
Einen Gruß an einen guten Freund, der das auch tut, Ingemar.

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