Mittwoch, August 18, 2010

der Name

In den letzen zwei einhalb Monaten hat sich so manches verändert. Nicht nur in Sachen Wohnsituation (der Umzug) hat sich etwas getan, ich habe seit drei Wochen auch eine neue Frisur. Das ist auch eine Art Tapetenwechsel. Meine Kopftapete musste mal gestutzt werden. Da es in der Wohnung renovierungstechnisch nichts zu tun gibt, muss ich mich eben renovieren. Trifft sich ganz gut, ich kenne nämlich auch nicht wirklich eine größere Baustelle als mich selbst.
Wir sind ja alle irgendwie Baustellen. Jeden Tag müssen wir an uns schrauben und basteln und werkeln und überhaupt - an uns arbeiten. Manchmal fällt das verdammt schwer. Ich weiß nicht, ob Du das Gefühl kennst, wenn man einfach nicht mit sich zufrieden ist. Egal was man anhat, egal wie man sich im Spiegel betrachtet, sich dreht und wendet. Ob man lacht oder weint, man weiß, dass man sich nicht wohler fühlen wird, als unwohl. Nichts stimmt. Da ist das Wort 'Baustelle' im Bezug auf sich selbst noch untertrieben. Ich bin mir sicher, dass Du dieses Gefühl kennst.

Es gibt letzendlich Dinge, Sachverhalte oder Gefühle, denen wir Namen geben wollen - ein Versuch, etwas uns undefinierbares definierbarer zu machen. Ein Name gibt Formlosigkeiten eine Form, lässt 'irgendwie' Charakter zu.
Oft ist es so, dass wir uns in Gefühlslagen befinden, die wir nicht rihctig definieren können. Sei es das fehlende Bewusstsein für die momentane Situation oder auch der fehlende Wille, die Lage zu hinterfragen. Denken ist anstrengend. Ich muss schon fast sagen, dass ich 'leider' ein Mensch bin, der viel zu oft, viel zu viel nachdenkt. Denken tut weh, denken hindert am Nichtdenken. Denken macht dumm und blind und überhaupt, wieso zu viel denken, wenn es reicht, nujr das nötigste zu denken? Ganz einfach; mir reicht es nicht, dass nur die nötigsten Dinge Namen haben, alles soll einen Namen tragen - alles 'sollte' einen Namen tragen. Um bei dem ersten Tag anzufangen. Wir kommen zur Welt, unser Leben beginnt und uns wird ein Name gegeben. Wir sind 'Jemand', uns wird durch den Namen eine Identität geliehen, aus der wir das bestmöglichste machen sollten [vielleicht sogar müssen?]. Um bei dem letzten Tag ein Ende zu finden... Wenn wir uns von dieser Welt und von diesem [unserem] Leben verabschieden, wollen wir alle, dass unser Name in der Erinnerung unser Hinterlbliebenen bleibt. Unser Name wird zu der Definition, zu unserem Lebenswerk, zu unserem Denkmal. Auf unserem Grabstein stehen nicht unsere guten (oder schlechten) Taten, man liest 'nur' unseren Namen. [...] Was ich versuche zu erklären ist, dass wir wissen wollen, woran wir sind, wer wir sind und wie wir am besten sein können, am besten besser sein können. In unserem Leben gibt es genügend Dinge, die nie einen Namen haben werden und es gibt Dinge, deren Namen wir von Beginn an kennen, aber für uns unaussprechbar sind und bleiben werden. Vielleicht schaffe ich es nicht einmal es in Worte zu fassen, es hier nieder zu tippen. Wie elementar ein Name sein kann und gleichzeitig ist ein Name nicht ein Name sondern oft auch ein Zustand, eine Hoffnung oder eine unbeantwortete Frage. Ganz gleich ob es am ersten, am hundertsten oder am letzen Tag ist. Dieser Zeitraum; Name: Lebend; bleibt auf unbestimmte Zeit unbenannt, weil es uns zu schwer fällt, das Leben in einem Wort, in einem Namen zu bündeln. Ich versuche mein Bestes.

Aber am Ende eines jeden Tages geht es eben doch darum, dem Kind einen Namen zu geben. Ob ich es will oder nicht, ich kann nicht damit aufhören, mich den tausend von Fragen zu stellen, die sich in meinem Kopf eingenistet haben und die mir auf der Nase herumtanzen. Ich bin auf Namenssuche. Bis für immer, vielleicht... Es ist die Einsamkeit, die mich in schwachen Momenten auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Ich habe hiermit meinem Kind versucht, einen Namen zu geben...



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