Es ist in den letzen zwei einhalb Monaten so einiges passiert, was mich von der einen Bahn auf eine komplett andere geworfen hat. Leben heißt in einem ungewissen Dauerzustand zu leben. Das Leben wirft einen aus der Bahn - das Leben ist verrückt und unverständlich. Und der Satz, den ich schon viel zu oft hören musste - "Wenn du am wenigsten damit rechnest, passiert es plötzlich" - bewahrheitet sich... plötzlich. Es ist passiert. In vielerlei Hinsicht. Manche Dinge sind eigentlich relativ schwer in Worte zu fassen, um sie zu erklären und manche Dinge wiederrum will ich nicht erklären - weil ich sie mir nicht erklären kann. Es ist halt passiert und es ist passiert. Wenn es passiert ist, kann ich es nicht mehr ändern.
Acht Monate lang habe ich versucht in der deutschen Hauptstadt einen Ort zu finden, den ich 'zu Hause' nennen kann. Nach gefühlten 1000 Wohnungsbesichtigungnen (mit WG-Partnern oder im Alleingang), nach Monaten in einem Keller, nach einer weiteren mehrwöchigen Übergangslösung, hatte ich die Chance auf eine Einzimmerwohnung in Berlin. Ich habe die Chance nicht genutzt. Jetzt wohne ich in meiner ersten eigenen Wohnung. Fünfundvierzig Quadratmeter gehören mir, fünfundvierzig Quadratmeter Verantwortung mit hohen Wänden und Stuck an der Decke - in Berlin. Jetzt geht das Abenteuer Leben eigentlich erst richtig los. Ein neues Kapitel mit dem wunderbaren Titel "Meine erste eigene Wohnung". Es ist diese typische Berliner Wohnung, mit Berlin drum und dran und drin und überhaupt. Das Gefühl einen Mietvertrag zu unterzeichnen ist unbeschreiblich. Ein unbeschreiblich, sich toll anfühlendes Glücks- und Erleichterungsgefühl inklusive Schauer am Rücken. Als ich das Büro der Hausverwaltung am 26. Juni 2010 mit einer Wohnung in Din A4-Format verließ, wurde mir klar, dass ich einen gewaltigen Schritt weiter bin; und einen Schritt weg von Kreuzberg. Sprich: "Ich komm' aus Moabit du Muschi!" Damit kann ich gut leben. Ich lebe damit und ich lebe gut damit. In dieser Hinsicht hat sich das Plötzlich als total positives Plötzlich entpuppt. Aus der anvisierten Einzimmerwohnung wurde eine wunderbare Zweizimmerwohnung. Weiter im Verlauf; ich brachte also Koffer für Koffer, Tasche für Tasche, Tag für Tag in die neue Bleibe. Zum Glück ist der zweite Stock der zweite Stock und nicht der vierte Stock. Seit Anfang Juli 2010 wohne ich auch in der Wohnung. Bis zu dem jetztigen Zeitpunkt besitze ich eine Kommode, einen Tisch mit vier Stühlen, eine bequeme Matratze und einen Nachttisch. Mittlerweile hängen auch Lampen und ich habe noch zwei Spiegel. Es wird, es wird. Dank den tollen Schweden und ihren Möbeln bin ich sehr zuversichtlich, bald eine komplette Einrichtung zu haben. Ja, ich bin bekennender IKEA-Fan. Wieso auch nicht? Der 1€-Hot-Dog rundet das Fan-sein noch ab!
Aber trotzdem ist es noch ziemlich leer, ziemlich roh, ziemlich neu. Neu für mich. Von nun an bin ich ja wirklich 'alleine' und fast schon dazu gezwungen selbstständig zu sein und Verantwortung zu übernehmen. Wie ein Erwachsener. Man wollte nach Berlin, man wollte arbeiten, man wollte Geld verdienen und man wollte eine eigene Wohnung. All das habe ich doch. Ich sollte also glücklich sein und am besten noch zufrieden.
Wir lassen die Zeit vergehen und obwohl viele Dinge wirklich gut sind (wirklich gut!) schaffen wir es nicht, uns in der neu gewonnenen Zufriedenheit, beziehungsweise 'Abgerundetheit' uns fallen zu lassen. Wieso? Wieso reicht mir das nicht? Was fehlt mir [außer vielleicht Möbel]? Fehlt uns immer etwas, ist es unschaffbar rundum zufrieden zu sein? Oder kann es sein, dass dieser Zustand zwischen den Stühlen der Zufriedenheit und der Unzufriedenheit ein Phänomen der Großsstadtschnelllebigkeit ist?
Der berliner Geräuschepegel ist an manchen Tagen wirklich sehr hoch angestezt, doch gegen Abend wird auch er immer gediegener. Geräusche sind aber immer da, es ist auch so gut wie beinahe wirklich immer etwas los und man ist auch nicht wirklich irgendwann einmal tatsächlich ungestört, Berlin kennt keinen ruhigen Schlaf. Nur einen manchmal unruhigen und manchmal einen geräuschgeprägten Schlaf. Wenn ich auf meiner Matratze liege und an die weiße Decke starre und das Lichtspiel anschaue und die seltenen Schatten an der Wand beim Tanzen beobachte, weiß ich, dass hier nie alles schläft und schon gar nicht alles still ist. Ich höre es ja - die Straße ist hörbar. Aber ich schaffe es, diese Stadtgeräusche auszublenden. Trotzdem ist es laut. Was ich höre? Meine Gedanken, wie sie mit mir reden, meine Ängste vor der Zukunft und meine Unzufriedenheit - meine wohlmöglich teilweise unbegründete Unzufriedenheit, wie sie mich auslacht und schadenfroh ist. Wie sie sich freut, es geschafft zu haben, mich an manchen Abenden um den Verstand zu bringen, mich unruhig schlafen zu lassen und wie sie es immer wieder aufs neue hinbekommt, lauter als Berlin zu sein...
Es ist in den letzen zwei einhalb Monaten so einiges passiert. Es ist passiert und es ist eben auch nicht passiert. Ob es passiert ist oder nicht, ich lebe noch! Ich lebe und wohne und arbeite und werde weniger essen und mehr Sport treiben und ab Mitte August meinen eigenen Internet- und Festnetztanschluss haben. Ich lebe und richte eine Wohnung ein und stell' sie um und stelle sie nochmals um und warte, bis es passiert und es vielleicht wieder passiert und dabei werde ich nicht aufhören zu leben. Wir alle sollten sogar noch bewusster leben und hinhören. Selbst die Unzufriedenheit hat hin und wieder ein wahres Wort zu erzählen...
home is where my thoughts can dance


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen